Weite Wüsten und Savannen in Namibia

Liebe Leser,

meine letzte Reise ist nun schon sehr lange her. Im Februar 2020, noch bevor die Pandemie begonnen hatte, reisten wir für einen Filmdreh durch Bangladesch. Seitdem hatte ich Deutschland nicht mehr verlassen. Als ich nun darüber nachdachte, konnte ich es selbst nicht glauben. Denn in der Zwischenzeit ist so viel passiert, dass ich mich keinesfalls gelangweilt habe und das Reisen gar nicht so sehr vermisste wie man meinen würde. Im Frühjahr 2020 begann ich an meinem Bachelorfilm zu arbeiten. Nachdem ich im Jahr davor in Ghana gedreht hatte, wollte ich gern wieder eine Doku im Ausland umsetzen – doch das ging nun nicht. Und so entschied ich, stattdessen in Deutschland zu bleiben und einen Film über die Krabbenfischer an der Nordsee zu drehen. Im Sommer letzten Jahres fuhr ich zwei Wochen lang mit dem Fahrrad und dem Zelt die Küste entlang, um Fischer kennenzulernen und Recherche zu betreiben. Und im Oktober verbrachte ich erneut drei Wochen an der Nordsee, um zusammen mit Eric, den ihr noch aus Panama kennt, den Film zu drehen. Das Ganze war ein riesiges Abenteuer für mich, denn ich konnte in eine mir ganz neue Welt eintauchen, mit den Fischern zur See fahren und in Interviews mit Greenpeace, der Fischer-Erzeugergemeinschaft und dem Landwirtschaftsministerium sehr viel Neues lernen. Den anschließenden winterlichen Lockdown habe ich dann auch nur am Rande mitbekommen, weil ich fleißig am Schnitt der Doku saß. Pünktlich im März war mein Bachelorfilm “Mit den Gezeiten” fertig, und ich konnte mein Studium erfolgreich mit einem Bachelor of Arts abschließen.

Nun war das Jahr 2021 schon weit fortgeschritten. Mit dem Abschluss in der Tasche begann ich, mich in Berlin umzusehen. Zuerst versuchte ich, Kontakte in die Filmbranche aufzubauen. Dabei half mir auch der ARTE-Redakteur, der meinen Abschlussfilm betreut hatte. Wenig später fand ich eine schöne Wohnung und zog nach Berlin. Und auch das war wieder ein großes Abenteuer für mich. Der Sommer war schön, ich lernte große Teile der Stadt kennen, die mir am Anfang sehr exotisch und außergewöhnlich vorkam. Ich fühlte mich fast wie auf Reisen. Aber auch beruflich ging es voran. Ich hatte einige kleinere und größere Aufträge und kann bis jetzt nur sagen, dass die Entscheidung, als Selbständiger zu arbeiten, genau richtig war. Ich fühle mich immer noch recht frei und flexibel, wie damals als Student. Und trotzdem kann ich bis jetzt gut von meiner Arbeit leben.

Ein Höhepunkt war definit unser Film „Klimakrise Global – Was tun gegen die Flut?“ für die Deutsche Welle, an dem ich als Co-Autor und Editor mitarbeitete. In diesem Rahmen bin ich auch in das schwer von der Flut getroffene Ahrtal gereist und habe mehrere Tage mit den Flutopfern gesprochen, bevor einige Tage später das Filmteam hinterherkam. Auch hier lernte ich spannende Menschen kennen, und hatte einen tiefen Einblick in die Katastrophe, die das Leben Vieler betraf und immer noch betrifft.

Ich war also trotz der Pandemie immer sehr stark beschäftigt. Ich glaube, ich habe in den letzten zwei Jahren deutlich mehr erlebt, als in den Jahren davor. Und so war es für mich auch überraschend festzustellen, dass ich eigentlich seit fast zwei Jahren nicht mehr im Ausland war. Diesen November war ich nun also in Namibia und jetzt, da ich wieder in Berlin bin, kann ich die Zeit nutzen, um von der Reise zu berichten. Initiator der Reise ist die Dresdner Reisemanufaktur „Kalahari Afrika Spezial Safaris“. Die Geschäftsführenden Karin und Kai Stoß hatten mich damals schon finanziell bei meinem Dreh in Ghana unterstützt. Seitdem stehen wir in regelmäßigen Kontakt und im Sommer hatte ich ein paar kurze Videos für ihre Webseite gedreht. Daraufhin entstand die Idee, auch mal in Afrika zu drehen und potentiellen Kunden ein Reisevideo über das beliebte Reiseland Namibia zu präsentieren. Also nahm mich Karin auf eine lange Reise durch Namibia mit, und ich filmte fleißig alle unsere Erlebnisse, Safaris, Touren, Wanderungen, aber auch die vielen schönen Unterkünfte im Land und außerdem eine Menge toller Interviews mit Menschen aus der Reisebranche. Wir starteten in Windhoek und reisten anschließend in den Norden, durch den Etosha-Nationalpark, in die Kunene-Region im Nordwesten und dann weiter in den Süden in die Namib-Wüste. In 16 Tagen sahen wir so einen großen Teil des Landes und viele Highlights, die für Reisende interessant sind. Meine persönlichen Favoriten will ich in diesem Blogartikel beschreiben.

Tiersafaris in Okonjima und Etosha

Gleich zu Beginn unserer Reise konnte ich die vielseitige Tierwelt Namibias kennenlernen. Fast eine Woche verbrachten wir in verschiedenen Natur-Reservaten, wie dem Okonjima Nature Reserve und dem berühmten Etosha-Nationalpark, sowie weiteren Ranges dazwischen. Wir nahmen an mehreren Safaris teil, bei denen wir uns geführt von Guides auf die Suche nach besonderen Tieren machten. Gerade im Etosha-Nationalpark fuhren wir aber auch mit dem eigenen Auto stundenlang auf Feldwegen durch den riesigen Park, um Tiere aufzuspüren. Und das war wirklich nicht schwer, hier wimmelt es nur so von ihnen. Täglich sahen wir duzende Elefanten und Giraffen, hunderte Zebras und Antilopen, aber gelegentlich auch Löwen, Leoparden, Geparden, Strauße und Nashörner. Besonders Löwen und Nashörner waren ein großes Highlight für mich, denn diese sind nicht leicht zu finden, und wenn wir sie sahen, dann war es eigentlich eher zufällig. Zum Beispiel lagen plötzlich drei Löwinnen mitten auf dem Feldweg um sich auszuruhen. Auch Nashörner tauchten manchmal völlig unerwartet neben uns im Gebüsch auf. Vor den Autos fürchten sich die Tiere übrigens nicht. Sie sehen es nicht als Lebewesen an und flüchten nicht, wenn man langsam heranfährt. Es ist also nicht schwer, die Tiere aus nächster Nähe zu betrachten. So sind mir auch einige schöne Fotos gelungen, und natürlich, was noch wichtiger ist, wirklich schöne Videoaufnahmen für unseren Film.

Steps for Children

Für mich sehr eindrücklich war der Besuch bei Steps for Children in Okakahara, einer NGO mit der Karin und Kai schon lange zusammenarbeiten. Die Organisation bietet Hilfe zur Selbsthilfe an verschiedenen Standorten in Namibia und Simbabwe. Das Angebot hier umfasst eine Schule für bedürftige Kinder, eine Näherei, in der Frauen einen sicheren Job haben, ein Gästehaus und einen großen Gemüsegarten. An allen Standorten werden die Familien in den Communities unterstützt, es gibt medizinische Hilfe und bei Bedarf auch Nahrung – was besonders auch während der Corona-Krise stark gefragt war. Ich habe den Nachmittag mit einigen Kindern verbracht, die noch in der Schule waren. Genau wie in Ghana waren die Kinder hier am meisten von meiner Drohne begeistert, also gab ich ihnen eine ausführliche Flugvorstellung, bevor ich begann, von einigen Kindern Portraits aufzunehmen.

Die Halbwüste in Kunene

Im Nordwesten Namibias liegt die Region Kunene. Das Gebiet wird häufig auch als Damara-Land bezeichnet, ein Begriff, der sich zur Zeit der deutschen Kolonialisierung etablierte.  Da es sich quasi um einen von den Besetzern erdachten Namen handelt, raten manche Menschen zur Nichtnutzung dieser Bezeichnung. Die korrekte Bezeichnung der Region ist stattdessen Kunene. Das unterstütze ich, obwohl ich sehr häufig hörte, dass die hier wohnenden Namibianer selbst Damara-Land verwenden, und es sogar eine Gruppe gibt, die sich als Damara-Stamm bezeichnet. Kunene ist weitaus trockener als der Etosha-Nationalpark. Hier fuhren wir auf staubigen Straßen hunderte Kilometer durch die Steinwüste. Diese beeindruckende Landschaft erkundeten wir ausführlich bei einer mehrtägigen Wanderung. Unser Guide, Boas, ist selbst in dieser Region aufgewachsen. Er führte uns durch vertrocknete Flusstäler, über steinige Gipfel, vorbei an den Skeletten längst verstorbener Giraffen, die den Berglöwen zum Opfer gefallen waren. Speziell für diese Wanderführungen hatte man Unterkünfte mitten in der Wüste erbaut: Kleine Plattformen mit bequemen Betten und für jeden Gast ein eigenes Bad mit Dusche und WC. Dafür musste ein rund 150 m tiefer Brunnen gebohrt werden. Doch in den letzten sieben Jahren fiel die Regenzeit immer spärlicher aus und das Grundwasser scheint zu sinken. Das Bohrloch musste schon mehrfach vertieft werden. Besonders hart trifft es die Bevölkerung, die nicht unmittelbar in den Tourismus involviert ist. Die meisten Menschen lebten als Bauern, doch die anhaltende Trockenheit hat inzwischen fast alle Tierherden getötet. So leben die Menschen in großer Armut. Einige versuchen auch wegzuziehen, doch in Namibia gibt es fast kein freies Siedlungsland mehr. Die weniger trockenen Regionen sind längst als Teil riesiger Farmen vollständig eingezäunt. Nur hier in der Wüste können die Menschen noch auf freier Fläche leben, wenn sie nicht in die größeren Städte ziehen wollen. Boas, unser Guide, hatte als Touristenführer lange Zeit ein sicheres Einkommen. Doch nach mehreren Corona-bedingten Pausen ist auch er finanziell stark gefährdet. Als wir im November mit ihm unterwegs waren, erzählte er uns, dass er erst im Dezember erfahren würde, ob die Firma ihn weiter als Guide beschäftigen kann. Nachdem Namibia nun aber als Risikovarianten-Gebiet faktisch für Touristen gesperrt ist, glaube ich, dass er seien Job wohl verloren hat. Das Leben der Menschen in dieser Region ist wirklich sehr herausfordernd. Das haben wir in den kommenden Tagen noch häufig gemerkt. Manchmal beispielsweise hatten Frauen mitten in der Wüste, am Rande der Straße, einen Souvenirstand aufgebaut, in der Hoffnung, dass irgendjemand anhält und ein paar Dollar ausgibt. Doch die Welt der Touristen überschneidet sich hier kaum mit dem Leben der normalen Bevölkerung. Und so waren auch wir am Abend immer in einer luxuriösen Lodge und tagsüber im gut klimatisierten Auto unterwegs.

Als Teil unserer Reise durch Kunene besuchten wir auch ein sogenanntes Living Museum. Hier hat sich eine Familie des San-Stammes ihre traditionelle Lebensweise bewahrt. Touristen können diese Familie in ihrer traditionellen Community besuchen und von ihnen erfahren, wie die San jagen, Feuer machen, Nahrung zubereiten oder Schmuck herstellen. Wir konnten leider nur eine Stunde hier anhalten und ich verbrachte die meiste Zeit damit, zu filmen, wie zwei Jäger mit einem Holzbohrer ein Feuer entfachten. Aber im Anschluss hatte ich noch kurz Zeit, ein paar Portraits dieser wirklich interessanten Menschen aufzunehmen. Gerne würde ich wiederkommen und mehrere Tage hier verbringen, um noch mehr über das Leben der San zu erfahren.

In der Namib-Wüste

Auch Kunene gehört strenggenommen schon zur riesigen Namib-Wüste. Doch das klassische Wüstenbild stellt sich erst weiter südlich ein, dort wo sich die Steinwüste in eine feine Sandwüste verwandelt. Rote Dünen richten sich hier auf gigantische 200 m auf. Soweit das Auge reicht – roter Sand. Unser Ziel war das weltbekannte Sossusvlei. Hier hat der Tsauchab eine breite Schneise durch die Dünen gegraben. Es handelt sich um einen ephemeren Fluss, also ein Gewässer, dass nur sehr selten Wasser führt. Falls die Regenzeit besonders stark ausfällt, wird der Tsauchab unterirdisch durch den Sand der Namib gedrückt, und bricht am Sossusvlei hervor. Von hier aus hat er sich ein beeindruckendes Flussbett gegraben, und das, obwohl er nur so selten Wasser führt. Durch das Flusstal des Tsauchab kann man also recht einfach tief in die Namib hineingelangen, ohne mit dem Auto die gigantischen Dünen überqueren zu müssen. Am Ende des Tals liegt wie gesagt das Sossusvlei. Vlei bezeichnet eine Salz-Ton-Pfanne. Zu ergiebigen Regenzeiten bildet sich hier ein See zwischen den Dünen. In den Vleis wuchsen daher auch schon Bäume, vor vielen Jahrzehnten. Heute sieht man nur noch ihre toten Stämme, die dem Wind trotzend immer noch krumm gen Himmel ragen. Die Vleis sind ein klassisches Fotomotiv und daher recht gut besucht. Einige Duzend Autos nehmen täglich den langen Weg auf sich. Aber auch abseits der Vleis kann man sehr viel erleben. Ein eindrückliches Ereignis für mich war die Wanderung zur Spitze einer rund 200 m hohen Düne. Beinahe wäre ich schon bei der Mitte umgekehrt, da ich mit jedem Schritt abrutschend sehr schnell erschöpft war. Tatsächlich scheint Karin durch regelmäßiges Yoga und Joggen weit besser in Form zu sein als ich, sodass sie den Gipfel der Düne relativ schnell erreichte. Und da musste ich natürlich, meine letzten Kräfte bündelnd, hinterherziehen. Der Blick von oben war aber alle Mühen wert.

Nach nur zwei Nächten mussten wir die Namib bereits
verlassen. Unsere letzte Übernachtung hatten wir in der Rooisand-Ranch gebucht,
weit oben in den Bergen. Hier habe ich auch zum vorerst letzten Mal einen
schönen afrikanischen Sonnenuntergang betrachten können. Denn schon am nächsten
Morgen brachen wir in aller Frühe nach Windhoek auf. Wenige Stunden später
erreichten wir bereits Frankfurt und sind seither wieder im deutschen Winter
angekommen.

Für mich war die Namibia-Reise eine großartige Ergänzung zu meinen Erlebnissen in Ghana. Denn hier konnte ich typische Afrika-Highlights genießen, die sich wohl die meisten Reisenden wünschen. Allen voran die tollen Tiererlebnisse, aber auch die schönen Landschaften. Die Zeit in Ghana war ein großer Kontrast dazu, vor allem auch weil wir den Hauptteil der Reise im ärmsten Viertel von Accra verbrachten. Hier in Namibia waren wir immer in fantastischen Lodges untergebracht. Mitten in der Wüste hatten wir weit mehr als ich mir hätte erträumen können. Künstliche Oasen mit grünem Gras, private Pools und Drei-Gänge-Menüs. Die Lodges sind wirklich beeindruckend schön und das Personal arbeitet weitaus professioneller als ich es aus den Hotels in Deutschland kenne. Ich war natürlich immer sehr beschäftigt mit dem Filmen der Reise. Und so habe ich nun das Gefühl, gerne nochmal zurückkehren zu wollen. Manche Orte möchte ich mir nochmal in Ruhe ansehen und auf mich wirken lassen. Das ist natürlich schwierig, wenn man einen so straff getakteten Reiseplan hat wie wir. Trotzdem bin ich dankbar, mit diesem Projekt eine Reise erlebt haben zu dürfen, die ich sonst wahrscheinlich auf diese Weise noch viele Jahre lang nicht gemacht hätte. Und dass diese Reise mein Interesse für Afrika noch entfacht hat, ist umso besser.

Ich werde nun in den kommenden Tagen oder Wochen den Film fertig stellen. Kleinere Ausschnitte sowie Fotos sind bereits auf Instagram und Facebook zu finden. Nächste Woche bin ich allerdings nochmal für zehn Tage in Dubai, zusammen mit meinem Onkel Erwin. Dort werden wir uns die Expo ansehen, auf die ich mich nun schon seit mehreren Jahren freue. Auch davon werdet ihr hier lesen.

Also bis bald und liebe Grüße,
Jonas

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