Herausforderungen in den Anden

Liebe Leser,

Willkommen zurück! Ich hoffe ihr habt die drei Artikel über Galapagos genossen, ich jedenfalls denke noch gern zurück an die schöne Zeit auf den wilden Inseln. Trotzdem ging für uns natürlich die Reise weiter, und so schreibe ich heute aus Baños, einer kleinen schönen Stadt in den Anden. Seit knapp zwei Wochen sind wir jetzt auf dem Festland, und auch hier im “Hauptgebiet” von Ecuador konnte ich mir schon einige interessante Dinge ansehen. 

Begonnen hat unsere Reise in Guayaquil, einer sehr großen Stadt in Küstennähe. Hier gibt es einen großen Flughafen, den wir von Galapagos aus angeflogen haben. Die Stadt hat mir sehr gut gefallen, aber das lag besonders an unserem Lebensstil hier. Nach so einer intensiven Zeit des Entdeckens auf Galapagos, haben wir uns endlich mal wieder niedergelassen, jeden Tag ausgeschlafen und dann entspannt die Stadt erkundigt. Immer nur für ein paar Stündchen, denn viel Zeit habe ich auch im Hostel verbracht, einfach um entspannt mit den Leuten zu plaudern und Dinge am Laptop zu erledigen. Ich habe viel geschrieben, eine Wohnung in Offenburg organisiert und das weitere Studium geplant. Guayaquil ist genau die richtige Stadt um ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Es gibt sehr viele Geschäfte und günstige Restaurants, aber auch einige ruhige Parks und ein sehr hübsches Altstadtviertel auf der Spitze eines Berges.

Nach ein paar Tagen hier musste es natürlich wieder weitergehen, denn Ecuador hat so viel mehr zu bieten als das Großstadtleben. Der größte Teil des Landes liegt ja in den Anden, sehr viele Orte liegen auf über 2000 Metern Höhe, einige Gipfel sind sogar 5000 bis 6000 Meter hoch. Unser erster großer Ausflug in die Anden führte uns in den Süden des Landes. Von Guayaquil aus fuhren wir nach Cuenca, eine sehr hübsche kleine Stadt in den Bergen. Und von hier ging es noch tiefer in die Berge, nämlich nach Vilcabamba. Das ist ein sehr kleines Örtchen in der Nähe von Peru, und rings um den Ort ragen die Berge in die Höhe. Am ersten Tag hier sind wir über einen schmalen Pfad auf den Gipfel des Mandango gestiegen, von hier hat man einen wunderschönen Blick über den Ort und das weitverzweigte Bergland. Der Gipfel ist eine ganz schmale Spitze, von der es wirklich zu jeder Seite steil runtergeht. Ein bisschen unterhalb liegt ein weit ausgedehnter Bergkamm, der zu anderen kleinen Gipfel führt, und von hier oben sahen wir mehrere kleine Wege auf diesem Kamm. So machten wir uns auf den Weg um weitere Berge zu erreichen und stellten bald fest dass die Wege immer schwieriger wurden. Sie waren teilweise sehr steil und an mehreren Stellen ging es extrem steil runter. Irgendwann sahen wir von Weitem ein paar Ziegen und stellten fest dass die Wege wohl wilde Pfade der Bergziegen waren. Unser Bergpfad endete dann auch sehr abrupt vor einer für uns unüberwindbaren Steigung, sodass wir versuchten mussten, irgendwie wieder zurück zu kommen. Der letzte wirkliche Weg war allerdings so weit weg, dass wir irgendwann ein kleines Seitental wählten, und uns hier auf den wilden Pfaden wieder abwärts bewegten. Wir hatten von Weitem immer noch den Ort im Auge, mussten uns aber durch ein paar Schluchten und einen sehr dichten Wald schlagen, bis wir irgendwann auf der Rückseite eines kleinen und verwilderten Friedhofes standen. Ein schöner, aber anstrengender Wandertag, der uns wirklich Kraft abverlangte!

Etwas ähnliches passierte mir am nächsten Tag, als ich mich schon wieder verlief. Ich wollte zu einem sehr großen Wasserfall wandern, und entsprechend der Landkarte startete ich meine Wanderung auf einem kleinen Weg parallel zum Fluss. Es war ein wunderschöner Weg, der mich durch einige Kaffeeplantagen und Wäldchen führte, schließlich aber steil in die Berge ging. Von hier oben konnte ich den Fluss zwar noch sehen, war aber sehr viele Höhenmeter drüber, und der Wasserfall war somit nicht mehr zu erreichen. Die gesamte Kulisse war trotzdem traumhaft, das Bergland erinnerte mich ein bisschen an die Alpen, ist aber deutlich heißer und trockener. Den Wasserfall hab ich dann zum Glück noch mit meiner Drohne gefunden. Um gut einen Kilometer hatte ich ihn verfehlt.

Die Wanderungen in Vilcabamba waren also immer ein wenig planlos, beziehungsweise voller unerwarteter Überraschungen. Aber die Gegend ist auf jeden Fall traumhaft schön zum Wandern! Ein Besuch lohnt sich sehr, besonders weil der Ort so klein und gemütlich ist, und die schroffen Berge ganz schnell zu Fuß zu erreichen sind.

Mit dem Bus fuhren wir am nächsten Morgen nach Loja. Auch hier wollten wir ein paar Tage bleiben, denn ganz in der Nähe liegt der Podocarpus Nationalpark. Dass Gebiet liegt zwischen 900 und 3600 Höhenmetern, der Nationalpark zählt zu den artenreichsten Gegenden der ganzen Welt. Der Großteil des Nationalparks ist nicht zugänglich, es gibt tatsächlich nur sehr wenige Wanderwege. Ranger schreiben sich ganz genau auf, wer den Nationalpark betritt. Südlich von Loja erfolgt der Zugang zum Hochland. Mit dem Taxi konnten wir die Rangerstation – das “Refugio” – auf circa 2500 Metern Höhe erreichen. Hier gibt es einige kleine Rundwanderwege, und einen längeren Weg, der über mehrere Gipfel auf 3500 Meter Höhe führt. Außerdem startet hier eine Wanderung zu weit entfernten Lagunen, für die man ungefähr drei Tage einplanen muss. Wir nahmen den erwähnten Gipfelweg in Angriff, hatten aber sehr große Schwierigkeiten. Denn hier oben wehte ein eisiger Wind, und da wir in den Wolken waren, regnete es permanent. Der Weg war zwar eigentlich schön, besonders auf den ersten Kilometern ging es durch einen sehr dichten, vermoosten Wald. Aber als wir den Wald verließen und eigentlich schon kurz unter dem ersten Gipfel waren, schnitt uns ein wirklich eisiger Regenwind ins Gesicht. Die Sicht hier oben betrug ungefähr fünf Meter. Wir waren auch vorher schon komplett durchnässt gewesen und außerdem sehr unterkühlt, sodass wir uns notgedrungen geschlagen geben mussten und auf dem selben Weg schnell zurück ins Tal gingen. Bei der Rangerstation konnten wir uns an einem Feuer aufwärmen, ich erkundete noch die kleinen Wege in der Nähe, aber dann fuhren wir schnell nach Loja zurück. Schon am selben Abend merkte ich, dass ich sehr stark erkältet war.

Auch Eric war gesundheitlich auf jeden Fall angeschlagen, weitere Wanderungen in diesem kalten Park wären also töricht gewesen. Anstatt also weiter  in Loja zu bleiben, nahmen wir uns am nächsten Morgen einen ganz zeitigen Bus, um der Kälte zu entfliehen. Obwohl die Wandertage hier im Süden wunderschön waren, war einfach nicht viel Kraft übrig. Da wir aber in den letzten drei Wochen noch sehr viele Dinge geplant haben, ist jetzt Erholung oberste Priorität. Und so fuhren wir in einen kleinen Ort namens Baños de Agua Santa (Bäder des heiligen Wassers). Dieser Ort liegt in einem tiefen Tal zu Fuße eines 5000 Meter hohen, aktiven Vulkans. Es gibt sehr viele heiße Quellen hier, und die letzten drei Tage haben wir in einem wunderschönen, hundert Jahre alten Thermalbad verbracht. Im warmen Wasser treibend habe ich schon jetzt wieder viel Kraft gesammelt, werde aber zur Sicherheit noch weitere Badetage anhängen. Aber auch sonst kann man in und um Baños eine Menge unternehmen. Paragliding, Bungeejumping, Rafting, Wandern in den Vulkanbergen… viele Dinge erwarten uns wenn wir wieder komplett gesund sind. Der Ort gefällt uns so gut, dass wir hier noch eine Weile bleiben wollen. Bevor die Reise dann am 28. Februar endet wollen wir noch in die Oriente und den Norden des Landes fahren. Die restlichen Reiseziele sind also inzwischen sehr überschaubar, aber ich freue mich sehr, dass wir mit Baños einen Ort gefunden haben, in dem wir nochmal richtig zur Ruhe kommen können.



Ich werde euch bald noch einiges von hier berichten, aber erstmal werde ich noch weitere Badetage genießen!

In diesem Sinne bis bald,
Jonas

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1 Antwort

  1. Papa sagt:

    Hab ich da Farmbäume gesehen? Meine Biolehrerin sagte damals, dass es die nur in grauer Urzeit gab und jetzt ist nur noch der mickrige deutsche Farn übrig. Auf den kanarischen Inseln war dann der Farn schon mal 50 cm hoch und ich staunte und wähnte mich in der Urzeit.
    Ja und mit der Drohne nachschauen zu können, wohin man sich verlaufen hat, ist natürlich besonders cool. 🙂

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