Stille Tempel und überfüllte Städte

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie vor kurzem angekündigt, habe ich diese Woche eine weitere Reise gestartet. Seit Mittwoch bin ich in Indonesien. Es hat diesmal eine ganze Weile gedauert, bis ich mich für ein Reiseland entscheiden konnte. Ich hatte mir zwar schon lange vorgenommen, endlich in ein südostasiatisches Land zu reisen. Da die Semesterferien aber im August bis Oktober liegen, ist in vielen ostasiatischen Ländern gerade Regenzeit. So musste ich zum Beispiel die Philippinen als Reiseziel wieder verwerfen. Erst ziemlich kurzfristig habe ich eine Wahl getroffen. Ich entschied mich für eine Reise nach Indonesien. Dieses Land liegt so weit unten im Süden, dass zurzeit schönstes, regenfreies Wetter ist. Das Land hat viel zu bieten. Es ist der größte Inselstaat der Erde, und das viertbevölkerungsreichste Land. Verteilt auf tausenden Inseln ist es ein Land der Kontraste. Zum einen begeistert die Natur: Vulkane, Regenwälder, aber auch schöne Unterwasserwelten erwarten die Besucher. Man kann Komodowarane und Orang-Utans sehen, mit viel Glück auch Hammerhaie. Zum anderen ist es interessant, die Kultur der Menschen kennenzulernen. In Indonesien findet man alle großen Religionen vor. Lebhafte Städte und große Reisfelder prägen das Land.

Indonesien ist auf jeden Fall ein Land, das mich sofort begeistert hat. Und so fing ich an, meine Reise zu planen. Ich habe sehr günstige Flüge gefunden und insgesamt fünf Wochen Zeit für vor Ort eingeplant. Ich reise dieses Mal allein, und bin somit komplett unabhängig in meiner Planung und Reisegestaltung. Das ist sehr angenehm.
Gelandet bin ich am Mittwochabend in Jakarta. Es ist die indonesische Hauptstadt. Das Umland eingerechnet, leben hier über 30 Millionen Menschen. Doch in der Stadt leben die Menschen auf engstem Raum. Im Internet oder in Reiseführern findet man über Jakarta geteilte Meinungen. Auf der einen Seite wird die Stadt als Zentrum der indonesischen Kultur angesehen. Auf der anderen Seite beschreiben viele die Stadt als laut, verschmutzt und heruntergekommen. Nachdem ich nun selber dort war, muss ich sagen, dass beides vollkommen zutrifft. Ich war zwar nur zwei Tage in Jakarta – weil ich mich danach spontan zwei Reisenden ins Landesinnere angeschlossen hatte. Ich habe aber einen sehr lebhaften Eindruck von der Stadt gewonnen. Und festgestellt, dass ich vor meinem Rückflug auf jeden Fall noch mindestens zwei weitere Tage in der Hauptstadt verbringen sollte.

Begonnen habe ich mit einem Stadtspaziergang bei Nacht, direkt am Abend meiner Landung. Mein Hostel lag in der Stadtmitte, deshalb konnte man sich direkt ins indonesische Nachtleben stürzen. Die Stadt ist im ersten Moment herausfordernd, weil die Straßen laut und völlig überfüllt sind. Zwei Spuren werden teilweise dreispurig genutzt, und zwischen den vielen Autos drängen sich unendlich viele Mopeds. Beim Überqueren der Straße als Fußgänger muss man sich mutig in den Verkehr werfen, und auf die Aufmerksamkeit der Fahrer hoffen. Aber schon nach wenigen Minuten war ich begeistert von der Stadt. In den Nebenstraßen gibt es langgezogene indonesische Märkte, die von den Einheimischen genutzt werden. Hier werden alle möglichen Arten von asiatischem Essen verkauft, und alle Waren, die man zum Leben in der Großstadt braucht. Alles ist sehr günstig. Ein Abendessen ist für 10.000 indonesische Rupien zu bekommen, umgerechnet ungefähr 60 Cent. Ich werde in den nächsten fünf Wochen kein einziges Mal kochen, sondern immer draußen essen. Nasi Goreng (gebratene Reispfanne) oder Mi Goreng Ayam (Nudelpfanne mit Huhn) gibt es hier an jeder Ecke. Aber auch ungewöhnliche Speisen wie Hühnerfüße oder seltsam aussehende Fleischspieße. An diesem Abend bin ich auch noch in abgelegenere Viertel gelaufen, und es hat sich gezeigt, dass die Stadt tatsächlich ziemlich baufällig ist. Sehr viele (bewohnte) Hütten zerfallen, und die Gehwege sind oft vom Abwasser unterspült.

An meinem ersten Tag habe ich zusammen mit einigen Leuten aus dem Hostel das Stadtzentrum erkundet. Dort steht zum Beispiel die Istiqlal-Moschee, die drittgrößte Moschee der Welt. Ein Einheimischer hat uns eine kleine Führung gegeben.

Direkt gegenüber liegt die Kathedrale von Jakarta. Hier wurden wir bei unserem Besuch spontan zu einer indonesischen christlichen Hochzeit eingeladen. Als wir ankamen, wurden gerade von jedem Besucher Glückwünsche ausgesprochen, und ein Chor hat gesungen.

Ebenfalls sehenswert ist das Nationalmonument, das an den indonesischen Unabhängigkeitskampf erinnert.

Am Abend waren wir wieder auf den Märkten, um zu essen. Es wird hier pünktlich um sechs Uhr dunkel, deshalb ist man den halben Tag ohne Tageslicht unterwegs.

Jakarta hat noch viel mehr zu bieten, wie zum Beispiel den Hafen, oder die „Grand Indonesia Mall“. Aber das muss ich auf das Ende meiner Reise verschieben. Denn im Hostel habe ich mich Patrick und Yann angeschlossen, zwei deutschen Backpackern. Zusammen sind wir mit dem Zug viele Stunden durch Reisfelder, Regenwald und indonesische Siedlungen gefahren, um nach Yogyakarta zu gelangen.

Yogyakarta liegt im Süden der Insel Java. Ganz in der Nähe befinden sich der buddhistische Tempel Candi Borobudur und der weltgrößte hinduistische Tempel Prambanan.
Bei ersterem waren wir heute. Wir hatten uns Motorroller gemietet, um zu der Tempelanlage zu gelangen. Die Fahrt durch den bergigen Regenwald, in dem sich der Tempel befindet, war wunderschön. Aber der Verkehr in Yogya hat uns zu schaffen gemacht. Ähnlich wie in Jakarta gibt es hier keine erkennbare Straßenordnung – und das bei wieder einmal völlig überfüllten Straßen. Wir sind zum Glück unfallfrei angekommen und konnten die Erkundung des Tempels beginnen. Er sieht ein bisschen wie eine Pyramide aus. Über eine lange Treppe gelangt man zur Spitze. Die Seiten sind in Etagen aufgeteilt. Auf jeder kann man den Tempel umlaufen und dabei die Wandreliefs anschauen, welche das Leben und Wirken Buddhas veranschaulichen. Auf der Plattform ganz oben stehen 76 Stuppas – glockenartige Steingebilde, in denen sich teilweise Buddha-Statuen befinden. Der Tempel war sehr gut besucht. Vor allem aber von Indonesiern. Für diese waren wir drei Europäer eine ähnlich spannende Sehenswürdigkeit wie der Tempel selbst. Am Ende des Tages hatten wir Fotos mit sehr vielen Menschen gemacht. Leider ist der Ort vor dem Tempel ein einziges Labyrinth aus weniger schönen Souvenirshops.

Auch in der Stadt haben wir uns umgeschaut, allerdings immer erst, wenn es dunkel war. Am Wochenende gibt es hier viel zu erleben. Auf dem Platz vor dem ehemaligen Sultanspalast kann man zum Beispiel bunt beleuchtete Tretautos mieten. Ansonsten ist die Stadt ähnlich chaotisch und bunt wie Jakarta, allerdings gibt es weniger sichtbare Armut und überhaupt auch viel weniger Einwohner.

In meinen ersten Tagen habe ich schon sehr viel mitnehmen können. Ich bekam bereits einen sehr weiten Einblick in die indonesische Kultur und Lebensweise, und so bin ich sehr gespannt auf die nächsten Wochen. Ich reise relativ planlos und spontan durch das Land, das macht es sehr entspannt. Als grobe Richtung sind aber demnächst Bali, Lombok und der Komodo-Nationalpark geplant.

Ihr werdet bald wieder von mir hören.

Liebe Grüße,
Jonas

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5 Antworten

  1. Eric Heß sagt:

    Es sieht auf den Bildern so aus als ob du 2m groß wärst, im Vergleich zu den indonesischen Landsleuten 😅

  2. Ben sagt:

    Hey Jonas,

    good to read from you! These illuminated cars are crazy, we should have them in Europe too.

    Cheers, Ben

  3. Papa sagt:

    Schön, dass du gut gelandet bist und nun schon paar Tage “Urlaub” hast. Hör dich mal genauer um, ob die verschiedenen Religionen wirklich so friedlich miteinander leben. Es gibt da ganz andere Berichte! Vielleicht ist`s in großen Städten aber auch viel toleranter als auf dem Land.

  4. Kris sagt:

    Hallo Jonas,
    beeindruckend. Mich begeistert, wie schnell und problemlos man mit anderen Menschen in Kontakt kommt. Viele unvergessliche, positive Erlebnisse auf deiner weiteren Reise. Pass auf dich auf!

  5. Judith sagt:

    Hallo Jonas, ich lese auch wieder gern deinen Reiseblog! Viele spannende, gute und anregende Begegnungen wünsche ich dir – mit Menschen, Geschichte, in Politik/Gegenwartsleben und Natur! Bleib gesund und munter und – ich schließe mich Kris an – pass gut auf dich auf!

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