Oh, wie laut ist Panama!

Liebe Leserinnen und Leser,

nach dieser kleinen Pause melde ich mich zurück. Eric und ich wohnen inzwischen seit zwei Wochen in Panama, und haben uns hier einigermaßen eingelebt. In unserer kleinen Wohnung haben wir uns heimisch eingerichtet, die ersten Freunde gefunden und eine gewisse Alltagsroutine entwickelt. Auf der anderen Seite versuchen wir immer noch, diese große Stadt in irgendeiner Weise zu begreifen. Ich werde probieren, in diesem Blogartikel ein möglichst aussagekräftiges Bild zu beschreiben, denn Panama City ist eine spezielle Stadt, auf die man sich erstmal einlassen muss. Am besten erzähle ich einfach ein bisschen was zu den verschiedenen Bereichen unseres alltäglichen Lebens hier. Also los!

Die Stadt

Eines ist sicher: Sobald ich wieder in Offenburg bin, werde ich mehrere Tage am Stück schlafen. Ich freue mich so sehr darauf, abends in ein Bett zu steigen und dann in aller Ruhe entspannt einzuschlafen. Denn hier in Panama City mussten wir uns ganz schnell an einen immensen Lärmpegel gewöhnen, der selbst nachts nicht abreißt. Ich finde, dieser ständige Krach und eine unglaubliche Hektik sind ein Hauptmerkmal der Stadt. Ich sitze manchmal für längere Zeit auf unserem Balkon im vierten Stock und beobachte, wie die Autofahrer unten überfordert sind, eine Kreuzung zu benutzen. Trotz eindeutig beschriebener Vorfahrtsschilder fahren alle gleichzeitig los, bleiben stecken und fangen dann frustriert an zu hupen. Manchmal eine halbe Minute lang. Dazu kommen die lauten Lkw der Müllabfuhr, die auch gerne mal in der Nacht oder ganz früh am Morgen unterwegs sind. Schreien, Bohren, Pfeifen, den Motor heulen lassen. Das sind Geräusche, die ich Tag und Nacht im Hintergrund höre.

Die Stadt ist auch unglaublich groß, und besonders – hoch! Überall schießen riesige Hochhäuser aus dem Boden. Nicht nur bei uns im Stadtteil „San Francisco“, sondern in der ganzen Stadt ist ein motiviertes Aufstreben zu beobachten. Der ganze Wohnraum wird dringend benötigt, denn mehr als die Hälfte der Panamesen lebt inzwischen in dieser Stadt, dazu viele Auswanderer aus ärmeren Ländern Südamerikas. Die Stadt wächst und platzt aus allen Nähten. Diese Überbevölkerung treibt auch die Preise in die Höhe, sodass Eric und ich immer sehr viel Zeit im Supermarkt verbringen, um irgendetwas zu finden, das zum einen essbar ist, uns aber nicht auf der Stelle in den finanziellen Ruin treibt. Am billigsten ist es tatsächlich, sich nur von Nudeln und Bier zu ernähren. Für einen Studenten ist das also eigentlich keine allzu große Umstellung. Auf der anderen Seite gibt es auch sehr viele Streetfoodverkäufer, die für wenig Geld Hotdogs oder Chinanudeln produzieren. Die Stadt ist ein Kontrast zwischen sehr arm und sehr reich. Und wir sind irgendwo dazwischen.

Jetzt habe ich mit den negativen Dingen angefangen, aber das ist natürlich nur eine Seite dieser facettenreichen Stadt. Ich persönlich finde das Chaos und die rastlose Atmosphäre eigentlich sehr faszinierend. Ich fühle mich trotz der Ruhelosigkeit wirklich wohl. Wir haben auch schon gewisse Oasen gefunden, zum Beispiel den wunderschönen Stadtpark „Parque Omar“, in dem es kostenlose Fitnessgeräte gibt. Dort gehen wir regelmäßig zum Sport hin. Jetzt müssen wir noch irgendwo ein Schwimmbad finden, denn im Ozean vor unserer Haustür kann man nicht baden. Die ganze Stadt ist, wie Havanna, von einer großen Hafenmauer eingegrenzt. Der Bereich am Meer ist aber trotzdem sehr schön zum Spazieren und Beobachten. Allgemein kann man stundenlang durch die Stadt laufen und findet tatsächlich immer wieder schöne Ecken, wie zum Beispiel die Altstadt „Casco Viejo“.

Die Wohnung

Wie manche von euch wissen, haben Eric und ich viele, wirklich viele Nächte damit verbracht, auf encuentra24.com nach Wohnungen zu suchen. Es hat sehr lange gedauert, bis wir eine Wohnung in Aussicht hatten. Ich habe unglaublich viele Menschen angeschrieben, habe aber nur wenige Antworten bekommen. Von den Leuten, die sich tatsächlich gemeldet hatten, waren fast alle nicht bereit, ihre Wohnung für so kurze Zeit zu vermieten. Am Ende waren drei Makler übrig, die wirklich helfen wollten und uns ab und zu ein paar Angebote zuschickten. Davon waren viele zu teuer, einige zu weit weg, aber eine Wohnung war absolut perfekt. Darf ich vorstellen: unser neues Zuhause in der P.H. Casa Real.

Hier haben wir für „nur“ 900 Dollar im Monat eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, einer Küche, drei Bädern, einer Waschküche und einem geräumigen Wohnzimmer gefunden. Nicht zu vergessen: unser Balkon, auf dem ich schon viele Stunden in meiner Hängematte verbracht habe. Man hat hier einen exzellenten Blick in die Wohnungen der Nachbarn gegenüber, sodass wir inzwischen von den meisten wissen, was sie zu Hause so treiben.

Die Leute in der Umgebung sind auf jeden Fall sehr freundlich und einen der Nachbarn haben wir schon näher kennengelernt. Xavier wohnt im besagten Haus gegenüber und hat uns vor wenigen Tagen vom Balkon aus über die Straße hinweg angesprochen. Seitdem treffen wir uns regelmäßig und gemeinsam mit seiner Freundin hat er in einem Kurzfilm von uns mitgespielt.

Das Schönste an unserer Wohnung ist eigentlich die Lage. Ich laufe nur drei Minuten zur Arbeit, in den Park sind es circa zehn. Auch zur riesigen Multiplaza Mall kommt man sehr schnell. In den blühenden Sträuchern am Straßenrand kann man Kolibris beobachten.

Die Menschen

In dieser Hinsicht bin ich voll und ganz zufrieden. Die Menschen hier sind alle sehr freundlich und offen. Englisch sprechen hier nur wenige, und so muss ich oft versuchen, mich mit meinen wenigen Brocken Spanisch zu verständigen. Hin und wieder stellt uns die Sprachbarriere vor Herausforderungen. Trotzdem sind wir bisher immer irgendwie ans Ziel gekommen,  auch bei schwierigen Anliegen wie dem Handyvertrag oder der Ausstattung unserer Wohnung mit WLAN.

Xavier von gegenüber spricht ziemlich gut Englisch. Bei ihm sieht man, dass das alltägliche Leben  vieler Panamesen eigentlich sehr hart ist. Er hält sich aktuell mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser. Seit Anfang dieser Woche ist er untergetaucht, um irgendwie seine Miete aufzutreiben.

Faszinierend ist die Leichtfertigkeit vieler Menschen. Pünktlichkeit wird von den meisten weder angestrebt noch erwartet. Am Anfang erschien ich mehrfach pflichtbewusst pünktlich zu verschiedenen Terminen, musste dann aber teilweise sehr lange warten. Seitdem habe auch ich mir angewöhnt, zu kommen und zu gehen, wann es mir passt. Ein weiteres Beispiel ist wohl das Abenteuer Post, das wir erleben mussten. Weil in Kuba (unserer letzten Zwischenlandung) ein absolutes Drohnenverbot gilt, haben wir die Drohnen per DHL nach Panama geschickt. Für unter 50 Euro konnte ich die Drohne versenden und nach nur einer Woche war das Paket schon hier. Doch in Panama wurde das Paket der nationalen Post übergeben und war  für ganze zwei Wochen verschwunden. Als das Paket dann endlich auftauchte, durften wir es für ein „Lösegeld“ von 45 Dollar entgegennehmen. Das Geld wurde scheinbar vom Zoll gefordert. Eigentlich hatte ich bereits in Deutschland die Zolldokumente ausgefüllt und an das Paket geklebt, aber ich kann mir schon vorstellen, dass die beiden Zollämter nicht ganz so gut zusammenarbeiten. Letztendlich hat es sber zum Glück funktioniert.

Mein Praktikum

Wie ihr wisst, bin ich nicht vordergründig zum Reisen hier. Ich bin hier, um zu arbeiten. Wie im letzten Artikel schon gesagt, bin ich ja inzwischen im vierten Semester an der HS Offenburg, und somit steht ein Praktikum an. Der gesamte Jahrgang ist im Moment in ganz Deutschland verstreut, und ein paar wenige sind auch im Ausland. Meine Entscheidung fiel auf Panama, denn hier habe ich eine kleine, aber feine Produktionsfirma gefunden: Cine Animal in der Hauptstadt Panama City.

Hier arbeite ich nun seit mehr als einer Woche und fühle mich sehr wohl. Die Firma macht viele journalistische/dokumentarische Projekte, aber auch Kurzfilme, Musikvideos, Werbung und Animationsfilme. Eine genaue Bandbreite der Projekte findet ihr auf der Webseite. Cine Animal ist eine sehr kleine Firma mit einigen festen und einigen freien Mitarbeitern. Auch die verwendete Technik ist vergleichsweise klein, wir filmen hauptsächlich mit der Lumix GH5, für größere Projekte wird die Ausrüstung angemietet.

Ich fühle mich gut aufgehoben und noch besser betreut. Mit unserem Chef, Tomás, habe ich direkt am Anfang der Arbeit einen Plan erstellt, was meine Lernziele und Projektziele sind. Entsprechend werde ich auch in den Projekten eingesetzt. Mein erstes Projekt war das Filmen einer Kunstausstellung, die mit einer wilden Party und anschließendem Polizeieinsatz endete. Das entsprechende Video findet ihr hier.

Des Weiteren haben wir letzte Woche eine kurze Doku über den panamesischen Jazzmusiker Danilo Pérez gefilmt, die auf einer Veranstaltung der UNESCO gezeigt wird.

Ganz besonders freue ich mich, dass ich im Rahmen der Arbeit ab nächster Woche eine Rundreise durch das Land machen darf, denn wir haben einen Filmauftrag vom Naturkundemuseum der Stadt. Für eine Ausstellung werden wir circa 50 Kurzfilme produzieren, die die Natur und Kultur des Landes vorstellen. So erlebe ich schon mal eine erste Entdeckungstour im Land, bevor wir dann im Dezember sowieso unsere Reise starten.

Ich glaube, dass es eine sehr gute Entscheidung war, hierherzukommen. Die Firma ist recht familiär, und hier kann ich sicher sehr schnell sehr viel lernen. Mit allen Kollegen verstehe ich mich wirklich gut.

Schon bald werde ich von unserer Filmreise berichten. 

Liebe Grüße,
Jonas

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2 Antworten

  1. Papa sagt:

    Na das klingt ja gut und der erhöhte Vorbereitungs-Aufwand hat sich wohl gelohnt!
    Und schön auch, wenn du per Dienstreise schon bissel rumkommst. Jetzt noch jeden Tag ein, zwei Worte Spanisch lernen, dann wird´s ein echter Gewinn!

  2. Carmen sagt:

    Hallo Jonas, ich freue mich, dass ihr gut angekommen seid und auch ein recht schönes Quartier gefunden habt.
    Die Stadt scheint ja rießig zu sein. Das du im Praktikum auch gleich noch was vom Land erkunden kannst ist ja toll. Die Entscheidung für Panama ist sicher super gewesen.
    Liebe Grüße an Eric von Carmen

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