Vogelkunde in Isabela

Hallo liebe Leser,

Nach so kurzer Zeit melde ich mich schon wieder zu Wort. Aber es gibt ja noch viel nachzuholen, denn seit Freitag sind wir auf ecuadorianischem Festland, und trotzdem habe ich noch einiges von Galapagos zu berichten. Wie angekündigt werde ich hier die drei größten Inseln vorstellen, Santa Cruz, Isabela, und San Cristobal. Heute soll es um Isabela gehen, die größte aller Inseln. Isabela nimmt 58% der gesamten Landmasse von Galapagos ein, sie ist somit fünfmal größer als die Insel Santa Cruz, die ich euch ja schon vorgestellt habe.

Isabela würde ich als sehr wilde Insel bezeichnen. Im Gegensatz zu Santa Cruz gibt es hier viel weniger Einwohner und auch straßentechnisch ist die Insel so gut wie gar nicht erschlossen. Die einzige Straße führt zum Vulkan Sierra Negra. Auf Isabela gibt es viele Vulkane und dazwischen große Lavawüsten, die für Tiere ein unüberwindbares Hindernis darstellen. Im Laufe der Evolution konnten sich somit auf Isabela verschiedene Unterarten der Galapagos-Riesenschildkröte entwickeln.

In Isabela kann man verschiedene Touren machen, zum Beispiel auf den Vulkan oder per Boot zu verschiedenen Küstenabschnitten. Es gibt aber auch direkt neben der Stadt mehrere kostenlose Wege, die in den Nationalpark führen. Besonders zum Beobachten von Vögeln wie Flamingos und Blaufußtölpeln eignet sich die Insel. Wir haben versucht, möglichst sparsam zu leben, und haben uns somit auf kostenlose Ausflüge beschränkt.

1. Puerto Villamil
Puerto Villamil ist die einzige Stadt der Insel, und somit auch der Hafen in den man als Besucher einläuft. Der Eintritt auf diese Insel kostet $ 10, was mich ein bisschen gewundert hat, denn keine der anderen Inseln verlangt einen Eintritt. Die Stadt selbst ist besser als Siedlung zu bezeichnen, so wirklich komplett sieht sie nicht aus. Viele Häuser wirken entweder noch nicht fertig oder bereits verfallen, und die allermeisten Straßen bestehen aus schwarzer Vulkanasche. Leider ist die Stadt außerdem recht vermüllt, und trotz alledem bei weitem teurer als Puerto Ayora. Wir haben als günstigste Unterkunft das Hostal Posada del Caminante gefunden, mit $ 18 war es deutlich teurer als unsere Unterkunft in Puerto Ayora für $ 10. Den selben Preisunterschied merkte man auch beim Essen, die günstigste Cafeteria haben wir hier für $ 6 statt den üblichen $ 4 gefunden. Aber natürlich hat man auch hier irgendwann seine Wege gefunden günstig zu überleben, spezielle Spartipps werde ich zeitnah noch in meinen Galapagos Reisetipps veröffentlichen.

Abgesehen also von diesem offensichtlichen Bedarf der Stadt an Weiterentwicklung, hatte sie doch auch ihre guten Seiten. Zum Beispiel gibt es in Hafennähe ein paar gute Spots zum Schnorcheln. Noch viel schöner ist jedoch der riesige Strand, der sich direkt vor der Stadt erstreckt. Der Strand ist super zum baden, surfen, relaxen – und zum beobachten der Blaufußtölpel. Diese tollen Vögel sitzen hier zu Hunderten auf den Felsen, und gelegentlich hebt das ganze Rudel plötzlich hab, und beginnt irgendwo in Strandnähe zu jagen. Hunderte Tölpel stürzen dann kopfüber ins Meer, um sich kleine Fische zu schnappen. Manchmal sieht man im wilden Getümmel auch Pinguine, die dieselben Fischschwärme ins Visier nehmen.

2. El Muro de las Lágrimas
Unser erster Ausflug auf Isabela führte uns zur Wall of Tears, zu deutsch Tränenmauer. Die Mauer ist ein tolles Ziel für eine schöne Halbtageswanderung. Es handelt sich um eine große Mauer aus Vulkangestein, die circa fünf Kilometer westlich von Puerto Villamil liegt. Die Insel wurde ab 1945 als Kolonie für Gefangene genutzt, und um die Gefangenen zu beschäftigen zwang man sie, diese Mauer zu schichten. Die Mauer ist so gesehen komplett zwecklos, der einzige Grund für ihren Bau war, den Gefangenen das Leben schwer zu machen, beziehungsweise sie während der Arbeit sterben zu sehen. Die Männer mussten die Vulkansteine in der drückenden Hitze für viele Kilometer tragen, Wasser und Essen waren dabei (zu knapp) rationiert. Man sagt, dass über Tausend Gefangene starben, bevor man den Bau bei ungefähr 25 Meter Länge und 8 Meter Höhe einstellte. Heute gibt es auf der Insel natürlich keine Gefangenen mehr, die Mauer steht weiterhin als traurige Erinnerung.

Aber mal abgesehen von diesem traurigen Ausflug in die Vergangenheit ist die Wall of Tears heute ein lohnenswertes, schönes Ziel für Wanderer. Das liegt zum einen daran, dass die Mauer natürlich sehr beeindruckend ist, wenn man davor steht. Aber besonders die Wanderung hin zur Mauer ist wunderbar. Denn der Weg führt durch verschiedene Abschnitte der Inselwildnis; Mangroven, Steppe und ein kleiner Feuchtwald giftiger Apfelbäume. Vom Weg gehen weitere kleine Pfade ab, auf denen man sehr gut die gesamte Gegend erkunden kann, inklusive kleiner Lagunen, Mangroventunnel und vulkanischen Höhlen. Besonders toll ist auch, das man auf dieser Wanderung sehr viele Galapagos-Riesenschildkröten in ihrem freien Lebensraum sieht. Mein absolutes Highlight sind aber die Aussichtspunkte, an denen man vorbeikommt. Der Weg führt hinter der Mauer in eine kleine Bergkette, und hier oben gibt es mehrere richtig gut gebaute Aussichtspunkte, von denen aus man die Küste und das vulkanische Inselinnenland einsehen kann.

Mir hat diese Wanderung so gut gefallen, dass ich sie zweimal machte. Man muss aber unbedingt viel Wasser (mindestens drei Liter) mitnehmen, denn hier kann es sehr heiß werden, und das Laufen in den Bergen strengt sehr an. Ein Großteil der Strecke ist aber auch mit dem Fahrrad befahrbar, viele Menschen mieten sich eins in Villamil und laufen dann nur das letzte Stück in die Berge.

3. Auf dem Holzweg übers Wasser
Hinter der Stadt gibt es ein großes Teichgebiet. Die Lagunen kann man sehr bequem über einen kleinen Holzweg erreichen. Der Steg führt direkt durch die Seen und endet irgendwann bei einer weiteren Schildkröten-Aufzucht, ähnlich wie die in Santa Cruz. Spannend ist diese Wanderung aber besonders für Vogelliebhaber, denn in den Lagunen hat man eine gute Sicht auf die hier lebenden Flamingos.

Auch wenn wir nicht so lang auf Isabela waren, und auch keine Tour machten, hat mir die Insel doch sehr zugesagt. Die Stadt hat mir zwar nicht gut gefallen, aber man konnte die Stadt so einfach und schnell verlassen – und die Natur direkt außerhalb der Stadt ist einfach nur beeindruckend.

Bald werde ich euch auch noch San Cristobal vorstellen, auch hier haben wir wieder ganz neue Dinge gesehen und entdeckt. Es bleibt also auch in den nächsten Tagen spannend!

Liebe Grüße und bis bald,
Jonas

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