Vogelkunde in Isabela
von Jonas · 3. Februar 2019
Liebe Leserinnen und Leser,
nach so kurzer Zeit melde ich mich schon wieder. Aber es gibt ja noch viel nachzuholen, denn seit Freitag sind wir auf ecuadorianischem Festland, und trotzdem habe ich noch viel von Galapagos zu berichten. Wie angekündigt stelle ich hier die drei größten Inseln vor: Santa Cruz, Isabela, und San Cristóbal. Heute geht es um Isabela, die größte aller Inseln. Isabela nimmt 58 Prozent der gesamten Landmasse von Galapagos ein. Sie ist somit fünfmal größer als die Insel Santa Cruz, die ich euch gestern vorgestellt habe.
Man erreicht die riesige Insel mit einem Schnellboot, das als Fähre zwischen Santa Cruz und Isabela pendelt. Eric und ich saßen auf dem Dach des Passagierraums. Hier oben hatte auch der Kapitän seinen Platz. Zwischendurch hat er uns ans Steuer gelassen. So hatten wir also auch auf der Fahrt schon einen riesigen Spaß, und sind gut gelaunt in Isabela eingetroffen.
Isabela würde ich als eine sehr wilde Insel bezeichnen. Es gibt hier viel weniger Einwohner als in Santa Cruz. Und auch straßentechnisch ist die Insel so gut wie gar nicht erschlossen. Die einzige Straße führt zum Vulkan Sierra Negra. Auf Isabela gibt es viele Vulkane und dazwischen große Lavawüsten, die für Tiere ein unüberwindbares Hindernis darstellen. Im Laufe der Evolution konnten sich somit auf Isabela verschiedene Unterarten der Galapagos-Riesenschildkröte entwickeln.
In Isabela kann man verschiedene Touren machen, zum Beispiel auf den Vulkan oder per Boot zu verschiedenen Küstenabschnitten. Es gibt aber auch direkt neben der Stadt mehrere kostenlose Wege, die in den Nationalpark führen. Besonders zum Beobachten von Vögeln wie Flamingos und Blaufußtölpeln eignet sich die Insel. Wir haben versucht, möglichst sparsam zu leben, und haben uns somit auf kostenlose Ausflüge beschränkt.
Puerto Villamil
Puerto Villamil ist die einzige Stadt der Insel, und somit auch der Hafen, in den man als Besucher einläuft. Der Eintritt auf diese Insel kostet zehn Dollar, was mich ein bisschen gewundert hat, denn keine der anderen Inseln verlangt eine Gebühr. Die Stadt selbst ist eher als Siedlung zu bezeichnen. Viele Häuser wirken entweder noch unfertig oder bereits verfallen, und die allermeisten Straßen bestehen aus schwarzer Vulkanasche. Leider ist die Stadt außerdem recht vermüllt, und trotz alledem bei weitem teurer als Puerto Ayora. Wir haben als günstigste Unterkunft das Hostal Posada del Caminante gefunden. Mit einem Preis von 18 Dollar pro Nacht war es deutlich teurer als unsere Unterkunft in Puerto Ayora. Den selben Preisunterschied merkte man auch beim Essen. Die günstigste Cafeteria haben wir hier für sechs Dollar statt der gewohnten vier Dollar. Aber natürlich hatten wir auch hier irgendwann unsere Tricks, um günstig über die Runden zu kommen. Zum Beispiel hatten wir am Stadtrand eine kleine Hütte gefunden, wo man für wenig Geld Empanadas kaufen konnte.
Doch die Stadt hatte auch ihre guten Seiten. Zum Beispiel gibt es in Hafennähe ein paar gute Spots zum Schnorcheln. Noch viel schöner ist jedoch der riesige Strand, der sich direkt vor der Stadt erstreckt. Der ist super zum Baden, Surfen, Relaxen – und zum Beobachten der Blaufußtölpel. Diese tollen Vögel sitzen hier zu Hunderten auf den Felsen, und gelegentlich hebt der ganze Schwarm plötzlich ab und beginnt irgendwo in Strandnähe zu jagen. Hunderte Tölpel stürzen dann kopfüber ins Meer, um sich kleine Fische zu schnappen. Manchmal sieht man im wilden Getümmel auch Pinguine, die dieselben Fischschwärme ins Visier nehmen.
Unser erster Ausflug auf Isabela führte uns zur Wall of Tears, zu Deutsch, der Tränenmauer. Die Mauer ist ein interessantes Ziel für eine schöne Halbtageswanderung. Es handelt sich um eine große Mauer aus Vulkangestein, die circa fünf Kilometer westlich von Puerto Villamil liegt. Die Insel wurde ab 1945 als Kolonie für Gefangene genutzt. Um die Gefangenen zu beschäftigen, zwang man sie, diese Mauer zu schichten. Die Mauer ist so gesehen komplett zwecklos, der einzige Grund für ihren Bau war, den Gefangenen das Leben schwer zu machen, beziehungsweise sie während der Arbeit sterben zu sehen. Die Männer mussten die Vulkansteine in der drückenden Hitze für viele Kilometer tragen, Wasser und Essen waren dabei (zu knapp) rationiert. Die Inselbewohner erzählen, dass über tausend Gefangene starben, bevor man den Bau bei einer Länge von ungefähr 25 Metern und acht Metern Höhe einstellte. Heute gibt es auf der Insel natürlich keine Gefangenen mehr, die Mauer steht weiterhin als traurige Erinnerung.
Aber mal abgesehen von diesem traurigen Ausflug in die Vergangenheit ist die Wall of Tears heute ein schönes Ziel für Wanderer. Das liegt zum einen daran, dass die Mauer natürlich sehr beeindruckend ist, wenn man davorsteht. Aber vor allem der Weg hin zur Mauer ist wunderbar. Denn er führt durch verschiedene Abschnitte der Inselwildnis: Mangroven, Steppe und ein kleiner Feuchtwald giftiger Apfelbäume. Vom Weg gehen weitere kleine Pfade ab, auf denen man sehr gut die gesamte Gegend erkunden kann, inklusive kleiner Lagunen, Tunnel im Grün der Mangrovenwälder und vulkanischer Höhlen. Besonders schön ist auch, dass man auf dieser Wanderung sehr viele Galapagos-Riesenschildkröten in ihrem freien Lebensraum sieht. Mein absolutes Highlight sind aber die Aussichtspunkte, an denen man vorbeikommt. Der Weg führt hinter der Mauer in eine kleine Bergkette, und hier oben gibt es mehrere richtig gut gebaute Aussichtspunkte, von denen aus man die Küste und das vulkanische Inselinnenland einsehen kann.
Mir hat diese Wanderung so gut gefallen, dass ich sie zweimal machte. Beim zweiten Mal hatte ich aber viel zu wenig Wasser dabei und bin unterwegs beinahe verdurstet. Es ist sehr heiß, und das Laufen in den Bergen strengt zusätzlich an. Man sollte für die Wanderung mindestens drei Liter Wasser mitnehmen. Ein Großteil der Strecke ist auch mit dem Fahrrad befahrbar, viele Menschen mieten sich eins in Villamil und laufen dann nur das letzte Stück in die Berge.
Auf dem Holzweg zu den Flamingos
Hinter der Stadt gibt es ein großes Teichgebiet. Die Lagunen kann man sehr bequem über einen kleinen Holzweg erreichen. Der Steg führt direkt durch die Seen und endet irgendwann bei einer weiteren Schildkrötenaufzucht, ähnlich wie der in Santa Cruz. Spannend ist diese Wanderung aber besonders für Vogelliebhaber, denn in den Lagunen hat man eine gute Sicht auf die hier lebenden Flamingos.
Auch wenn wir nicht so lang auf Isabela waren, und auch keine Tour machten, hat mir die Insel doch sehr zugesagt. Die Stadt hat mir zwar nicht gut gefallen, aber man konnte sie so einfach und schnell verlassen – und die Natur direkt außerhalb der Stadt ist einfach nur beeindruckend. In der Wildnis fühlt man sich wie ein echter Entdecker.
Bald werde ich euch auch noch San Cristóbal vorstellen, auch hier haben wir wieder ganz neue Eindrücke gehabt.
Bis bald also,
Jonas
































































