Lombok

Liebe Leser,

Es ist schon wieder einige Zeit vergangen, seit ihr das letzte Mal von mir gehört habt. Ich bin inzwischen in Labuhan Bajo, und dabei, meine Ausbildung zum PADI Rescue Diver abzuschließen. Seit ich am Dienstag hier angekommen bin, habe ich nahezu jeden Tag auf dem Boot zwischen den Inseln des Komodo-Nationalparkes verbracht. Geschlafen habe ich sehr wenig, die Wäsche ist komplett ungewaschen und auch zum Blog schreiben bin ich nicht gekommen 😀 Doch heute sind wir nur einen halben Tag auf dem Meer gewesen, und ich nutze den freien Abend um die Erlebnisse der letzten Tage zu beschreiben. In diesem Artikel geht es um meine Zeit in Lombok und auf den Gilis. Die Fotos und den Bericht zum aktuellen Tauchurlaub werde ich erst im nächsten Artikel in ein paar Tagen uploaden.

Wie ihr euch errinnern könnt, war ich von Bali mit dem Boot nach Lombok gefahren. In Mataram habe ich ein bisschen die Umgebung erkundet, aber hauptsächlich versucht mein Visum verlängert. Bereits am Montag der entsprechenden Woche war ich in der Imigrasi. Da man in Indonesien allerdings ungewöhnlich lange braucht, um einen Stempel in einen Ausweis zu setzen, wurde ich gebeten, am Freitag wieder zu kommen. Ich hatte also drei Tage frei, die ich – möglichst in der Nähe von Mataram – irgendwie füllen konnte. Von meiner kleinen Rundfahrt und meiner Begegnung mit dem angriffslustigen Affen am Dienstag hatte ich ja schon erzählt.

Aber am Mittwoch habe ich die Stadt vorrübergehend verlassen. Ziel waren diesmal die Gilis, eine kleine Inselgruppe direkt vor Lombok. Die drei Inseln Gili Trawangan (Gili T), Gili Meno und Gili Air  sind bei Backpackern sehr beliebt. Grund dafür ist vor allem die Ruhe und entschleunigte Athmosphäre der Inseln. Die Inseln sind sehr klein, es gibt absolut keinen Straßenverkehr, dafür aber sehr schöne, ruhige Strände und Kokospalmen.

Am beliebtesten ist glaube ich Gili T. Die meisten Backpacker sammeln sich auf dieser Insel, denn hier ist die Partyszene sehr aktiv. Es scheint viele Kneipen und Bars zu geben, und auch der Zugang zu Drogen ist sehr leicht. Für den klassischen Backpacker also optimal. Ich selbst habe mich jedoch für Gili Meno entschieden. Die kleinste der drei Inseln ist die ruhigste – und überraschenderweise nur sehr wenig besucht. Im Zentrum der Insel ist sogar noch ein indonesisches Dorf, und die Dorfbewohner führen nach wie vor ihr normales Leben. Der Alltag besteht hier im Wesentlichen aus Fischerei und Kokosnussanbau.

Aber von den Touristen will man hier natürlich auch etwas abbekommen. Es gibt also ein paar Hostels und Resorts, kleine Bars und Restaurants. Alles in allem ist die Insel aber noch ziemlich authentisch und nicht überlaufen. Nachdem ich die Tage vorher doch recht aktiv war, wollte ich einfach mal Urlaub machen. Im klassischen Sinne entspannen, und mir ein bisschen Zeit für Erholung nehmen. Dafür sind die Gilis perfekt. Meno ist so klein, dass man in einer Stunde – immer dem Strand folgend – einmal um die Insel wandern kann.

Mein erster Tag bestand also aus einem kleinen Spaziergang, und aus vielen Stunden Sonnenbaden und auch Schnorcheln. Die Gilis sind von einem großen Korallenriff umgeben. Ich habe mir Equipment gemietet und bin mehrere Stunden durchs Riff geschwommen. Wie ihr auf den Fotos sicher sehen könnt, hat das Riff schon bessere Zeiten gesehen. Ich war im ersten Moment sehr erstaunt, denn wirklich alle Korallen waren weis und überall lagen Bruchstücke herum. Ein Einheimischer erklärte mir später jedoch, dass die Fischer der Insel früher die brillante Idee hatten, mit Dynamit auf Fischjagd zu gehen. Das hat im Riff deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Trotzdem hat das Schnorcheln großen Spaß gemacht, denn im Riff leben nach wie vor viele bunte Fische und auch Schildkröten.

Am nächsten Morgen habe ich sogar wieder einen Tauchgang gemacht, den ersten seit ungefähr sechs Monaten. Hier auf Meno gibt es eine sehr gute Tauchschule: Blue Marlin Dive. Hier kostet der Tauchgang um die 30€. Mit dem Boot sind wir früh am Morgen Richtung Gili T gefahren, und waren dann zu viert für ungefähr eine Stunde unter Wasser. Auch hier waren die Korallen ähnlich bleich, aber unter Wasser gab es trotzdem viel zu sehen: Fischschwärme, Schildkröten, kleine Riffhaie und Oktopusse. Ich konnte endlich mal meine neue Kamera – die Sony X3000 – unter Wasser testen. Ich habe nur sehr wenig Fotos gemacht, und hauptsächlich Videos. Zurück in Deutschland werde ich also auch ein Tauchvideo zusammenschneiden können 🙂

Am späten Nachmittag ging es mit der Fähre zurück aufs Festland, und zurück nach Mataram. Dort konnte ich am nächsten Tag auch endlich mein Visum abholen. Zwar hab ich dafür wieder ungefähr sechs Stunden in der Imigrasi bleiben müssen, hauptsächlich um zehn Fingerabdrücke und zwei Fotos abzugeben. Aber am späten Nachmittag hatte ich endlich wieder meinen Pass in der Hand, und die Erlaubnis statt 30 nun 60 Tage zu bleiben. Ich bin insgesamt 37 Tage in Indonesien, musste also für nur sieben Tage all diese Mühen auf mich nehmen. Aber eine Erfahrung war es auf jeden Fall.

Ich habe mir danach noch die Moschee der Stadt angesehen.

Und am Abend bin ich in ein Taxi gestiegen, und nach Kuta Lombok gefahren. Die kleine Stadt im Süden der Insel ist in der Backpackerszene sehr beliebt. Außerdem waren Patrick, Yann und Kathi gerade hier. Zu viert wollten wir hier das Wochenende verbringen, bevor alle drei bereits am Dienstag das Land verlassen haben. In Kuta hatten wir eine sehr ruhige Pension mit Privatzimmern, Pool und sehr gutem Frühstück.

Schon am ersten Abend habe ich festgestellt, dass mit der Stadt etwas nicht stimmt. Der größte Teil besteht zwar aus den ärmlichen Hütten der Indonesier. Aber die gesamte Strandpromenade ist für die Touristen herausgeputzt. Und hier gehen einige seltsame Sachen vor. Angefangen hat es damit, dass wir in einem Restaurant Fisch gegessen hatten. Und nach kurzer Zeit kamen die ersten Händler in das Restaurant, um uns Dinge zu verkaufen. Den hartnäckigen Verkauf von gefärbten Tüchern ist man ja gewöhnt, aber der nächste Händler legte uns unvermittelt eine Tüte mit Magic Mushrooms vor, eine Art halluzinogene Pilze, die man als Droge nutzt.

Ich weiß zwar, dass diese Pilze in Deutschland recht verbreitet sind. Aber hier in Indonesien sind die Strafen auf Drogen extrem hoch. In den touristischen Orten jedoch ist auch die Polizei tief im Drogenhandel verwickelt und verdient kräftig mit.
Des weiteren kamen oft kleine Kinder zu uns, höchstens acht oder neun Jahre alt, die Armbänder verkaufen wollten. Diese Kinder sind, ohne erwachsene Begleitung, bis in die Tiefe Nacht unterwegs.

Auch später als wir am Strand am Lagerfeuer saßen und unser Bier tranken, waren die Kinder mitten zwischen drin. Und als wir noch später in die Surfers Bar gingen – ein kleiner Club mit Livemusik – waren auch dort noch kleine Kinder unterwegs. Das Ganze hat mir schon leid getan, besonders abends im Club, als die Kinder noch nach Mitternacht inmitten der betrunkenen Meute standen und weiter verkaufen mussten. Hier in der Bar hat sich außerdem der lokale Lachgas-Dealer aufgehalten, der in Luftballon gefülltes Distickstoffmonoxid verteilte. Das eigentlich für narkosezwecke genutzte Gas wird aus dem Ballon eingeatment und löst einen Rausch aus, allerdings nur sehr kurz – 30 bis 60 Sekunden.

Die Einheimischen sind also auf kreative Wege gekommen um noch ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Abgesehen von den Kinderarbeitern, penetranten Straßenhändlern und Drogendealern hat mir der Ort jedoch sehr gut gefallen. Die Athmosphäre ist sehr entspannt (auch ohne Pilze), in den vielen Bars ist immer sehr gute Stimmung (wahrscheinlich wegen der Pilze) und falls man mal ein bisschen Ruhe braucht setzt man sich einfach an ein Lagerfeuer am Strand und genießt ein kühles Bier.

Ansonsten gibt es jedoch nicht allzu viel zu sehen. Deshalb sind wir am nächsten Morgen mit dem Roller auf die Halbinsel Sunut gefahren. Hier gibt es ein kleines Fischerdorf, und viele schöne Strände.

Am Sonntag konnten wir dann noch sehr viel von der indonesischen Kultur mitnehmen. Das war vor allem unserer Rezeptionistin zu verdanken. Sie hat uns am Morgen in den einheimischen Teil der Stadt geführt, wo gerade Sonntagsmarkt war.

Am Nachmittag hat sie uns außerdem auf die Hochzeit ihres Cousins mitgenommen. Wir haben uns traditionelle Kleidung gemietet …

…und sind dann mit ungefähr 200 Gästen durch die Stadt gezogen. Vorne im Umzug waren die Frauen und die Braut. Dann folgte der indonesische Spielmannszug und dahinter kamen der Bräutigam und die männlichen Gäste. Wir Europäer wurden in die erste Reihe gestellt, damit man uns möglichst auf allen Fotos sieht. Die Polizei hat für diesen Umzug extra alle Straßen gesperrt, und sowohl die indonesischen Autofahrer als auch die Bewohner der Stadt haben oft zweimal hinschauen müssen, als wir vorbeizogen. Alle Gäste waren sehr freundlich und haben uns gut mit aufgenommen.

Am Ende des Umzuges wurden der Bräutigam von hinten und die Braut vom vorderen Teil des Zuges zusammen geführt. Das Ganze hat mich sehr an den Karneval in der dominikanischen Republik errinnert, denn auch hier war das Motto möglichst viel Krach zu machen. Alle Menschen haben sehr ausgelassen gefeiert. Und natürlich mussten wir uns von sehr vielen Indonesiern fotografieren lassen.

Die drei Tage in Kuta waren sehr einprägsam, erlebnisreich und trotzdem sehr erholsam.

Am Montagmorgen bin ich dann wieder nach Mataram gefahren, denn ich hatte gehört dass man von dort aus auf die 500 km entfernte Insel Flores gelangen kann. Im Busbahnhof der Stadt habe ich tatsächlich sehr günstige Tickets für eine 26-stündige Reise erwerben können. Enthalten waren zwei Busse und zwei Fährfahrten. Am Montag 15 Uhr ging es mit dem Bus los. Über Lombok, dann mit der Autofähre auf die Insel Tenggara und von dort nach einer weiteren Busfahrt mit der Fähre nach Labuhan Bajo in Flores. Die letzte Fährfahrt hat übrigens fast sieben Stunden gedauert. Begleitet wurde unser Boot von einer Gruppe Delfinen. Außerdem sind wir am Komodo-Nationalpark vorbeigefahren, mein nächstes Ziel zum Wandern und Tauchen.

Am späten Nachmittag des nächsten Tages waren wir dann endlich in Flores und ich habe noch am selben Tag meinen Aufenthalt organisiert. Ich habe eine mehrtägige Tour in den Komodo-Nationalpark gebucht, um zu schnorcheln und Komodo-Warane zu sehen. Außerdem habe ich hier mein Training zum PADI Rescue Diver gebucht. Doch davon werde ich (schon bald) im nächsten Beitrag berichten. Kleiner Spoiler: Ja, ich habe im Nationalpark die größten Echsen der Welt gesehen und auch eine Menge anderer toller Dinge… Doch davon später mehr.

Fürs erste verabschiede ich mich. Bis bald,
Jonas

Das könnte Dich auch interessieren …

1 Antwort

  1. Erwin sagt:

    Hi Jonas, schön das du wieder einen Reiseblog verfasst. Es ist schön, so an deiner Reise Teil zu haben.
    Visumverlängerung? Da bekommt das Wort Bürokratie ja nochmal eine neue Bedeutung oder? Die Hochzeit war sicher auch sehr interessant. Das durfte ich auch mal in Nepal erleben. Auf dem 1. Bild in Gästetracht, habe ich dich übrigens nicht erkannt…
    Und dann immer wieder diese Traumstrände. Da kann man doch nur neidisch werden.
    Morgen früh fahren wir auch ein wenig in den Süden. Es geht diesmal wieder für eine Woche an den Gardasee und auf dem Rückweg machen wir einen 2 tägigen Zwischenstop in den Dolomiten. Nun müssen wir nur noch ein “wenig” packen.

    Sei lieb gegrüßt von uns 4 ren aus Dräsdn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.