Von Ost nach West

Liebe Leser,

Heute schreibe ich euch aus der kubanischen Hauptstadt Havanna. Am Montag sind wir hier angekommen und haben somit unseren Roadtrip quer durch Kuba beendet. Hier haben wir auch das Auto zurückgegeben. Überraschenderweise ohne jegliche Probleme, obwohl wir auf irgendeiner holprigen Straße scheinbar ein Plastikteil verloren hatten. Aber hier in Kuba hatte ich ja (zum ersten Mal) eine Versicherung für den Mietwagen dazugebucht.

In diesem Artikel möchte ich die letzten Stationen unserer Reise vorstellen. Sehr bald schreibe ich noch über Havanna.

Im letzten Post waren wir gerade in Santiago de Cuba, also ganz weit im Osten des Landes, angekommen. Hier haben wir in einer sehr einfachen Casa eingecheckt, die aber sehr schön zentrumsnah gelegen war. Für diese große Hafenstadt hatten wir uns zwei Nächte, also einen kompletten Tag, eingeplant. Sehr interessant war zum Einen die Innenstadt. In den vielen engen Gassen fanden wir sehr leicht schöne kleine Restaurants mit kubanischer Livemusik. Durch das Zentrum führt außerdem ein langer Boulevard – eine Fußgängerzone vorbei an vielen kleinen kubanischen Läden und Imbissständen. Einen einfachen Burger bekommt man hier für 50 Cent. Santiago ist insgesamt sehr schön restauriert und modern gestaltet, wahrscheinlich auch weil es seit einigen Jahren regelmäßig von großen Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird.

Dass die Stadt früher oft von Piratenschiffen aus Jamaika angesteuert wurde, zeigt die Festung “San Pedro de la Roca del Morro”. Die Stadt selbst liegt am Ende einer sehr großen Bucht, an deren Eingang man bis 1700 eine riesige Festung errichtet hat. Die Burg wurde an einem steilen Hang erbaut und hat deshalb viele Ebenen. Von ganz oben hatte man einen guten Ausblick auf das Meer und die Stadt. Weiter unten waren Kanonen stationiert um feindliche Schiffe zu versenken. In der Burg gibt es einen Munitionsraum, und über eine Schiene konnten auf kleinen Wägen Kanonenkugeln zu den verschiedenen Ebenen transportiert werden.

In der Bucht liegt außerdem eine kleine Insel – “Cayo Granma” genannt. Hier sind vorallem Fischer ansäßig. Mit einer kleinen Fähre sind wir auf die Insel gefahren, und haben sie zu Fuß erkundet. Die Leute sind hier merklich ärmer. Viele Hütten sind schon stark verfallen, und sehr viele der ehemaligen Bootstege werden dem Meer überlassen und Stück um Stück weggespült.

Santiago war die östlichste Station auf unserer Reise. Und auch den Westen wollten wir noch ausgiebig erkunden – für die 14 Tage in denen wir unseren Wagen hatten erforderte das einen recht straffen Zeitplan. Deshalb sind wir auch am nächsten Tag ohne jegliche Pause von Santiago nach Trinidad durchgefahren. Das ist eine 600 km lange Strecke, bei kubanischen Straßenverhältnissen hat das fast neun Stunden gedauert. Dafür waren wir am Abend in Trinidad, der Stadt die für ihren Kolonialbaustil gelobt wird. Allerdings wurden wir hier ein bisschen enttäuscht. Natürlich war die Innenstadt Trinidads mit den vielen Kopfstein gepflasterten Wegen und großen, einst prunkvollen Gebäuden ein schöner Anblick. Aber hier gibt es unglaublich viele Touristen, und dementsprechend wenig kubanische Kultur ist übrig geblieben. Die Stadt ist jetzt in vielen Ecken vor allem ein großer Souvenirladen.

Sehr schön ist aber die Umgebung Trinidads. Der Nationalpark “Pico San Juan” hat ein paar schöne Wasserfälle zu bieten. Am Wasserfall “El Cubano” waren wir schwimmen, man konnte sogar in ein paar Höhlen in der Felswand hineinschwimmen. Und auch die Wanderrung durch den ruhigen Wald war sehr erholsam. Interessant fand ich eine sonnige Felswand, an der sich über Jahre hinweg unzählige Wespenvölker angesiedelt haben. Die vielen Nester locken auch Vögel an, die mit ihren langen Schnäbeln die Larven herrauspicken.

Am Abend sind wir noch auf den “Cerro de la Vigia” gestiegen. Dieser Berg liegt direkt hinter der Stadt und ermöglicht einen beeindruckenden Ausblick auf die Stadt und das Meer, und auch auf den Nationalpark.

Am nächsten Morgen haben wir noch ein paar Stunden am Strand von Trinidad verbracht…

… bevor es dann nach Playa Larga an der Schweinebucht weiterging. Playa Larga ist ein kleines Dorf direkt an der Bucht, in dem 1961 amerikanische Soldaten landeten um Fidel Castro zu bekämpfen. Heute spürt man von der Vergangenheit nicht mehr viel. Playa Larga hat sich vor allem auf Touristen vorbereitet, die ihren Urlaub am Strand verbringen möchten. Wir haben hier eine sehr schöne Casa gefunden, vor deren Tür direkt das Meer lag.

Nach einem Tag Strandurlaub brachen wir auf zu unserer letzten Station: Vinales. Der Ort liegt in einem langen und fruchtbaren Tal, das “Valle de Vinales”. Hier ist ein Großteil der kubanischen Landwirtschaft ansäßig. Mit einem einheimischen Guide haben wir hier einen mehrstündigen Ausritt gemacht, und dabei eine Tabakfarm, aber auch einen Kaffebauern und einen Rumhersteller besucht. Der Ausritt durch die Felder und Wälder des Tals war eine sehr schöne Erfahrung, besonders weil man oft sehr gute Ausblicke über das weite Land hatte. Nur unsere Pferde haben mir Leid getan, denn der Bauer hat sie lieber mit der Peitsche gefügig gemacht, anstatt eine Beziehung aufzubauen.

Insgesamt ist Vinales ein sehr lohnendes Ziel in jeder Kubareise. Auch die Höhle “Cueva del Indio” ist einen Besuch wert. Hier wird man in einem Motorboot durch das geflutete Höhlensystem gefahren.

Leider war Vinales der letzte kubanische Ort, den wir uns in unserer kurzen Reisezeit anschauen konnten, bevor es nach Havanna weiterging. Dienstag Abend haben wir noch in einem Vorort Havannas übernachtet – im Haus der ehemaligen Schauspielerin Miriam Learra. Und heute ging es dann entgültig in die historische Innenstadt Havannas. Hier werden wir die letzten fünf Tage verbringen, bevor es am Montag nächster Woche in die dominikanische Republik weitergeht.

Doch davor werde ich sehr wahrscheinlich nochmal schreiben und von Havanna berichten.

Bis bald
Jonas

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1 Antwort

  1. Alex sagt:

    Hast du auch die Pferde gestreichelt?

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