Am Grund der Karibik
von Jonas · 14. Februar 2017
Liebe Leserinnen und Leser,
wie schnell die Zeit vergeht, merkt man besonders, wenn man auf Reisen ist. Inzwischen sind schon fünf Wochen vergangen. Fünf Wochen, die mir zugleich unglaublich kurz und unendlich lang vorkommen. Einerseits erlebt man täglich so viele außergewöhnliche Dinge, die man verarbeiten muss, sodass ich mich kaum noch im Detail an die ersten Momente der Reise erinnern kann. Aber auf der anderen Seite vergeht jeder Tag wie im Flug. Gerade das ist das Schöne am Reisen. Man hat nur wenig Zeit, um zurück oder nach vorn zu blicken, sondern lebt im Augenblick.
Auch die Woche, die seit meinem letzten Artikel vergangen ist, zog in schnellem Tempo an uns vorbei. Vor wenigen Tagen waren wir noch in Jarabacoa. Vom Paragliding habe ich bereits berichtet, aber auch in den Tagen danach haben wir sehr viel erlebt. Jarabacoa ist einer dieser Orte, in denen immer etwas los ist. Direkt am Tag nach unserem Rundflug haben wir zum Beispiel eine weitere, für mich komplett neue Sportart ausprobiert: das Rafting. In Jarabacoa treffen sich mehrere Flüsse, die in den nahegelegenen Bergen entspringen. Der „Rio Yaque del Norte“ ist einer davon, und nur wenige Kilometer vom Ort entfernt fließt er mit vielen Stromschnellen durch ein steiles Tal. Der Fluss hat hier eine sehr starke Strömung, und fällt über viele Stufen immer weiter ab. Ein idealer Fluss zum Raften! Wir haben an einer Tour teilgenommen, bei der man den Fluss in einem Schlauchboot hinabfährt. Mit einem lokalen Guide und drei weiteren Teilnehmern waren wir sechs Leute in einem Boot. Jeden Tag fahren mehrere Boote den Fluss hinab, aber alle in gutem Abstand zueinander, sodass man sich sehr gut auf den Fluss konzentrieren kann. Und das ist auch sehr wichtig, denn oft waren die Stromschnellen so stark, dass das ganze Boot in wilder Fahrt einfach mitgerissen wurde. An manchen Stellen konnte man schon fast von Wasserfällen sprechen, die wir hinabgestürzt sind. Wir haben zwar alle kräftig mitgepaddelt, aber oft waren wir einfach dem Fluss und unserem erfahrenen Guide (gleichzeitig Steuermann) ausgeliefert, der uns einigermaßen sicher durch die Wassermassen navigierte. Jedoch ohne vermeiden zu können, dass eine Mitfahrerin in einer starken Stromschnelle über Bord ging. Das Raften war ein großes Abenteuer für mich. Traurigerweise war genau an diesem Tag (mal wieder!) meine GoPro ausgefallen, sodass ich nicht filmen oder fotografieren konnte. Als Andenken habe ich mir den vom Touranbieter aufgenommenen Film gekauft. Hier auf dem Blog müsst ihr aber leider mit den wenigen Fotos vorliebnehmen, die eine Amerikanerin in unserem Boot aufgenommen hat. Natürlich meistens nur an den ruhigeren Stellen. Ihr müsst mir also glauben, wenn ich sage, dass es ein aufregendes Erlebnis war.
Meine neue Reisekamera, die Lumix G81, ist zum Glück bei Weitem zuverlässiger als die GoPro, und so konnte ich abgesehen von der Bootstour viel fotografieren. Ich habe auch den Ort – eine typisch chaotische Karibikkleinstadt – fotografisch erkundet. Genauso wie die grüne, bergige Umgebung mit vielen Wasserfällen.
Am Sonntag vor unserer Abfahrt habe ich unerwarteterweise auch noch ein Fest miterleben können. Gerade ist hier die Karnevalsaison, und jeden Sonntag finden in vielen Städten Umzüge statt. Es wird sich weniger verkleidet, als ich erwartet hätte. Stattdessen fahren die Menschen mit ihren Autos durch die Stadt und machen dabei möglichst viel Krach. Hunderte Autos bahnen sich ganz langsam ihren Weg, und viele sind mit riedigen Lautsprechern ausgerüstet. Am Sonntag war also in erster Linie außerordentlich Lärm in der ganzen Stadt, aber am Abend kamen doch noch ein paar verkleidete Einheimische heraus. Alles in allem eine fröhliche und völlig chaotische Party. Wir hatten zum Glück ein Zimmer in einem sehr ruhigen Hostel mit Pool.
Am Montag danach haben wir schweren Herzens diese lebhafte Stadt verlassen und sind mit einem Fernbus an die Nordküste gefahren. Und zwar nach Puerto Plata, einer großen und ebenso hektischen Stadt.
Unsere Freizeit haben wir eher in der Umgebung verbracht. Ein Muss für alle Besucher hier ist die Seilbahn. Sie fährt zum Gipfel eines 800 Meter hohen Berges. Es ist die einzige Seilbahn im kompletten Karibikraum. Zwei kleine Gondeln pendeln zwischen Stadt und Gipfel hin und her. Oben angekommen findet man sich zuerst zu Füßen einer kleinen Christusstatue wieder, die von den Einheimischen gern mit der in Rio de Janeiro verglichen wird. Mit ausgebreiteten Armen steht Christus auf dem Berg und wacht hoffentlich über die Stadt, die von oben betrachtet wunderschön aussieht. Bei einem Spaziergang um den Gipfel sieht man außerdem ins Landesinnere, und hat einen beeindruckenden Blick über beinahe dschungelartige Wälder. Am Nachmittag zog Nebel auf, und wir fuhren durch die Wolken zurück.
Diesen Dschungel haben wir dann auch wenige Tage später betreten, bei einem Ausflug zu den vielbeworbenen „27 Waterfalls“. Ein eigentlich kleiner Fluss hat einen tiefen Canyon in den Fels geschnitten und dabei viele Wasserfälle gebildet. Mit einem Guide kann man am oberen Ende des Canyons starten, und im Flussbett wandernd und schwimmend hinabgelangen. Höhepunkte sind die Wasserfälle, die man entweder hinunterrutscht oder -springt. Das hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht, vielleicht umso mehr, weil es dabei auch noch strömend geregnet hat. Nur leider waren es viel weniger Wasserfälle als angekündigt (keine 27), und die Tour war unerwartet schnell vorbei. Vermutlich haben die Betreiber hier wirklich jede kleine Stromschnelle mitgezählt, um noch mehr Leute anzulocken. Aber für die wenigen Wasserfälle, die es dann wirklich gab, war der Eintritt eigentlich viel zu teuer. Trotzdem, es war eine spannende Erfahrung.
Mein Hauptgrund, nach Puerto Plata zu gehen, waren nicht die Wasserfälle, sondern das Tauchen. Bei einer ortsansässigen Tauchschule habe ich den PADI Advanced Open Water Diver absolviert. Dieser Kurs vertieft noch viele wichtige Fähigkeiten, und baut damit direkt auf dem PADI Open Water Diver auf, den ich in Exmouth in Australien abgeschlossen habe. Vorgegebene Schwerpunkte sind Deep Diving, um die Tauchtiefe von 18 Meter auf 40 Meter zu steigern, sowie Unterwassernavigation. Weitere Schwerpunkte kann man sich selbst setzen. Ich habe diesbezüglich noch Training zum Ausgleich des Auftriebs (Buoyancy) erhalten, verschiedenes über Fischbeobachtung und -einordnung gelernt (Fishidentification) und außerdem Tauchen bei Nacht (Night Dive) trainiert. Mit diesen fünf Schwerpunkten sind wir drei Tage in Folge von Puerto Plata nach Sosua gefahren, um dort zu tauchen. Die karibische Unterwasserwelt hat mir sehr gefallen. Es gab sehr viele bunte Fische, die ich teilweise schon aus Australien kannte, aber auch eine Menge sehr interessante, für mich neue Arten. Es gibt nicht so viele Korallen, aber dafür sehr viele schöne Wasserpflanzen und Schwämme.
Der Tieftauchgang war noch eine ganz andere Erfahrung. Wir sind auf 35 Meter hinunter. Dort ist das Meer schon wesentlich dunkler und auch weniger belebt. Der Grund, dass man oft oberhalb von 18 Metern bleibt, ist aber nicht, dass es weiter unten weniger spannend wäre. Sondern in dieser Tiefe besteht die Gefahr einer Stickstoffnarkose, auch Tiefenrausch genannt. Wenn der Druck zunimmt, kann stark komprimiertes Gas aus dem Tank einen rauschähnlichen Zustand hervorrufen. Der Taucher ist in seinem Urteilsvermögen stark eingeschränkt, und kann ähnlich wie durch Alkohol starke Euphorie verspüren. Das führt teilweise zu Sinnestäuschungen. Mein Lehrer hat zum Beispiel von einem Vorfall erzählt, als er Farben plötzlich ganz anders wahrnahm und alles doppelt sah.
Bei diesem Tauchgang hatte ich aber keine Anzeichen von Tiefenrausch, obwohl wir mit 35 Metern schon sehr tief waren. Aber die Wirkung des Gases hängt auch von der persönlichen Verfassung ab (und kann deshalb auch von Tag zu Tag anders sein). Jedenfalls habe ich nun erste Erfahrungen in dieser Tiefe gesammelt, und theoretisch das Wissen erlangt, wie man sich bei einer Stickstoffnarkose verhalten muss.
Am interessantesten war für mich das Nachttauchen. Bei völliger Dunkelheit ging es mit Taschenlampe ausgerüstet zurück ins Riff. Unter dem Licht der Lampe erscheinen viele Farben viel intensiver. Besonders die unter Sonnenlicht fehlenden Rottöne kehren zurück. Witzig sind auch die Fische, die am Boden schlafen. Viele sind wirklich im Tiefschlaf. Man kann sie anfassen und könnte sie sogar hochheben. Andere Meeresbewohner jedoch werden gerade dann wach, wenn die Sonne untergegangen ist. Zum Beispiel Muränen und große Hummer, aber ebenso kleine Quallen, die leuchten, wenn man sie berührt.
Die wenigen Tage, die wir hier hatten, sind leider viel zu schnell vergangen. Am Samstag haben wir uns auf den Weg nach Las Terrenas gemacht. Diese Stadt auf der grünen Halbinsel Samana wird oft als der schönste Ort in der Dominikanischen Republik bezeichnet. Und schon nach einem Tag kann ich das durchaus nachvollziehen. Die Strände sind hier besonders schön, ungefähr so, wie man sie aus den Reisebroschüren kennt. Leider regnet es seit zwei Tagen sehr viel, und die einzigen, die sich über das Unwetter freuen, sind im Moment die Kitesurfer. Alle anderen warten sehnsüchtig auf die Sonne.
Schauen wir mal, ob sie sich bald zeigt.
Liebe Grüße,
Jonas













































































Hallo Jonas,
schönen Dank für die interessanten Blogeinträge. Das waren wieder spannende Berichte mit tollen Fotos. Es ist schön, so ein wenig an deinen Reisen teilzuhaben.
Viele Grüße senden dir die Dresdner