Thailand: Bergwelten und Großstadt-Chaos

Liebe Leser,

Vor wenigen Tagen kehrte ich von einer Reise nach Thailand zurück, die ich relativ spontan angetreten hatte. 

Erst vor einigen Monaten hatte ich 12 Wochen auf den Philippinen verbracht. Von Februar bis Mai drehte ich auf den Inseln Luzon, Bohol und Palawan mehrere Folgen für die ARTE-Serie „Entdeckung der Welt“. Davon hatte ich ja im letzten Artikel berichtet. Zurück in Deutschland begann sofort die Postproduktion. Ich schnitt zwei der Filme, ich schrieb die Texte, kümmerte mich um viele Produktionsbelange. Es waren hektische acht Wochen, bis die Filme fertig waren. Nach getaner Arbeit wollte ich erneut verreisen, diesmal nach Thailand.

Ehrlich gesagt hatte ich überhaupt keine Pläne. Ich mag die Atmosphäre in südostasiatischen Ländern und habe inzwischen nicht mehr das Gefühl, möglichst viel sehen zu müssen. Stattdessen wollte ich mich einfach durch den kunterbunten Alltag treiben lassen.

Die Thailandreise hatte vier Abschnitte. Zuerst war ich einige Tage lang in Bangkok, der Hauptstadt des Landes. Dann verbrachte ich zwei Tage in Lopburi, einer kleinen Stadt im Zentrum von Thailand. Anschließend reiste ich in den hohen Norden nach Chiang Mai und von da aus mit dem Motorrad über 1000 Kilometer weit durch die Berge. Die letzten Tage verbrachte ich wieder in Bangkok.

Bangkok: eine moderne, kulturelle und sündige Stadt

Ich weiß noch genau, wie ich weit nach Mitternacht im Taxi saß. Vom Flughafen Bangkok-Don Mueang, dem kleineren Airport im Norden der Stadt, fuhr ich nach Bang Rak, meiner neuen Heimat im Zentrum der Stadt. Erst kürzlich war ich in der Metropole Manila. Der Unterschied der beiden Städte war größer als ich erwartet hatte. Die Straßen waren eben, es gab keinen Stau. Und die Häuser sahen gepflegter und geordneter aus. Das bunte Chaos der philippinischen Hauptstadt war hier nicht ganz so stark vertreten. Stattdessen erblickte ich glitzernde Hochhäuser, dazwischen riesige Werbebanner im schwarzen Nachthimmel. Das dunkle Bangkok wirkte auf den ersten Blick modern und aufgeräumt, gleichzeitig erinnerte es mich ein wenig an die kühle Großstadtkulisse von Blade Runner. So der erste Eindruck. Dann aber kam ich im Hotel an und machte mich zu Fuß auf die Suche nach Essen. Und plötzlich fand ich dann doch das gewohnte, bunte Chaos wieder. Trotzdem, die Stadt wirkte sauberer und aufgeräumter als Manila. Eine gute Mischung.  Ich fühlte mich sofort wohl.

Das Hotel war einfach, aber in Ordnung. Es lag sehr zentral in der Stadt. Direkt nebendran fließt der Fluss Chao Praya, der das Stadtbild ähnlich charakteristisch prägt wie die Spree in Berlin oder die Elbe in meiner Heimatstadt Dresden. Für rund 50 Cent kann man hier mit einer Fähre durch die ganze Stadt fahren. In der Nähe gab es auch eine Bahn-Station. Bangkok hat ein zimlich gutes Netz an Zügen und U-Bahnen.

In den nächsten Tagen erkundete ich Bangkok. Hier gibt es viel zu sehen, zum Beispiel einige Tempel, was mir direkt am Anfang der Reise eine gute Einführung in die buddhistische Kultur des Königreiches gab. Typisch für die Thailändischen Tempel ist der liegende Buddha. Überall findet man diese typische Statue, die Buddha während seiner letzten Krankheit darstellt, kurz vor Buddhas Eintritt ins Nirwana. Die besondere Bedeutung des Momentes liegt in seinem endgültigen Austritt aus dem Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Im Wat Pho Tempel ist eine solche Buddha-Statue: 46 Meter lang, 15 Meter hoch und vollständig vergoldet. Sie ist in ein Haus gepresst, das kaum groß genug ist, das gigantische Monument zu umhüllen. Die gesamte Tempelanlage ist sehr schön. Viele verschiedene Tempel liegen Seite an Seite und formen verwinkelte Gassen wie in einem kleinen Dorf. Direkt daneben befindet sich der Große Palast, der Grand Palace. Es ist die ehemalige königliche Residenz. Auch hier können Besucher hinein.

Einen weiteren Tempel besuchte ich am nächsten Tag: Der Wat Sampran liegt am Rande der Stadt und ist touristisch kaum bekannt. Und das, obwohl es ein ganz besonderer Tempel ist. Der 80 Meter hohe Turm wird von einem riesigen Drachen umschlungen, dessen Kopf auf dem Turm ruht. Will man hinauf, so läuft man durch den Körper des Drachens. Man kann den hohlen Drachen kurz vor seiner Schwanzspitze betreten und durch den langen Tunnel spiralförmig nach oben wandern. Am Hals des Ungeheuers befindet sich der Ausgang. Oben angekommen steht man unter dem Kopf des Drachens, der so riesig ist, dass ich ihn wohl nur mit einer Drohne hätte fotografieren können. Umgeben ist der Tempel von einem hübschen Park.

Neben diesen kulturellen bzw. religiösen Einblicken verbrachte ich einige Zeit damit, einfach durch die Stadt zu ziehen. Es gibt riesige Märkte, auf denen ich mir für wenige Euros T-Shirts, Hosen und Tank Tops kaufte. Es gibt fantastisches Essen und speziell dafür auch ganze Streetfoodmärkte. Ich probierte mich durch die thailändische Küche, die sehr vielseitig ist. Besonders spannend ist eine Art Salat mit lebendigen Shrimps, die wild im Mund herumspringen, wenn man sie isst. Die Stadt ist kontrastreich: Große Häuser ragen in den Himmel, doch dazwischen liegen urige Dörfer mit winzigen Gassen, kleinen Häuschen und Gärten. Von edlen und schicken Boulevards stolpert man in unübersichtliche Seitenstraßen. Besonders beeindruckend ist auch die Chinatown. Nirgendwo habe ich so enge Märkte gesehen, wie hier.

Ein Stück außerhalb der Stadt liegt der Mae Klong Markt. Hier hat man irgendwann eine Eisenbahnlinie mitten durch einen Markt gebaut, doch die Händler sind geblieben. Mehrmals am Tag bahnt sich der alte Zug seinen Weg durch das Viertel. Dann klappen die Händler ihre Dächer zur Seite, ziehen die Waren zurück und zeigen den unbeholfenen Touristen, wo sie stehen können, um nicht überfahren zu werden.

Des Nachts zeigt Bangkok eine andere Seite. In einigen Ecken der Stadt sind Erotik-Shows und Prostitution weit verbreitet. So auch in Bang Rak. Dort gibt es eine große Straße mit einem Nightmarket, wo man Essen und billigen Ramsch kaufen kann. Des Nachts öffnen sich die Fassaden am Rande des Markts und geben den Blick frei auf hunderte kaum bekleidete Körper, die auf Bühnen tanzen. Die Thailänderinnen führen hier die berühmt-berüchtigten Ping Pong Shows auf. In Scharen strömen Touristen herbei, um für kleines Geld in die Erotik-Tempel einzutauchen. Ein seltsames Bild spielt sich auf diesem Markt ab. Man sieht die ein oder andere Familie mit Kindern, die auf dem Markt ihr Abendessen verzehrt und direkt daneben liegen die besagten Etablissements. Ein Stück weiter, am Nana Plaza, liegen noch viel größere Erotik-Clubs, vor denen dutzende Stripperinen und Prostituierte warten, um die vorbeilaufende Kundschaft in ihre Läden zu locken. Es ist schon beeindruckend, wie offen und unversteckt diese Dinge Teil des Bangkoker Stadtbilds sind. Und, beim Besuch der jeweiligen Straßen wird klar, dass es viele Touristen genau deswegen nach Thailand zieht.

Bangkok ist insgesamt eine tolle Stadt! Sie vereint das asiatische Chaos, das ich so gerne mag, mit einer gewissen Ordnung und Sauberkeit. Es gibt unendlich viel zu entdecken. Doch es war sehr heiß und nicht selten kam ich durchgeschwitzt ins Hotel. Auch deshalb entschied ich nach wenigen Tagen, in den Norden aufzubrechen.

Lopburi: Eine Stadt in den Händen der Affen

Mit dem Zug fuhr ich aus der thailändischen Hauptstadt heraus. Nach rund vier Stunden erreichte ich Lopburi. Ich hatte von den rund 6000 Makaken gehört, die in der Stadt Lopburi leben sollten. Die Tiere hatten sich wohl anfangs auf dem Gelände eines Tempels angesiedelt und dann immer stärker vermehrt, sodass nun einige Straßen fest in ihrer Hand seien und die Anwohner umzogen. Das wollte ich mir ansehen, obwohl ich mich auch vor den Tieren fürchte. In Indonesien und auch in den Philippinen wurde ich bereits von Langschwanz-Makaken attackiert und bin beide Male nur knapp ernsten Bisswunden entgangen. Die Tiere sind schlau und skrupellos. Ich erreichte die Stadt mitten in der Nacht und alle Affen schliefen bereits. Unbehelligt kam ich im Hotel an.

Am Morgen begab ich mich in die Stadt. Ich näherte mich dem Affen-Tempel und schon von weitem sah ich ein paar Affen, die über die Straße flitzten und über ein paar Autos sprangen. Dann wurde es unübersichtlich. Eine Gruppe von Affen stürmte auf einen Obststand zu und wollte ihn offensichtlich ausrauben, doch die Frauen schlugen ihnen mit einem Eimer auf die Köpfe und hatten offensichtlich auch Steinschleudern. Jedenfalls nahmen die Tiere Reißaus. Der Obststand offenbarte sich mir also als sichere Burg in der Affenstadt und ich stellte mich zu den Händlerinnen unter den Sonnenschirm. Eine der anwesenden Frauen sprach sogar englisch, weil sie wohl als 17-Jährige ohne Visum durch Europa transportiert wurde, und in verschiedenen Städten – auch in Hamburg und Berlin – „sexy dances“ vorführten sollte. Nun wartete sie den ganzen Tag unter dem Sonnenschirm auf Kunden, die sie bezahlen, damit sie im Tempel für Buddha tanzt. Der würde dann die Gebete erhören. Nicht alle ihre Erklärungen haben mir eingeleuchtet, aber der Buddha von Lopburi habe wohl vier Arme, von denen er stets einen verliert, wenn es besonders aufwendige Gebete zu erfüllen gibt. Die Tänzerin hat wohl schon zweimal militärische Angriffe auf die Stadt weggebetet, sodass der Buddha hier nur noch zwei Arme hat. Ich weiß nicht, ob ich sie richtig verstanden habe. Jedenfalls glaube ich nicht, dass die Vorstellung von einem Buddha, der Arme verliert, weit verbreitet ist.

Sie berichtete mir auch, dass seit Anfang des Jahres über 1000 Affen eingefangen und in große Käfige vor der Stadt transportiert wurden. Die Lage entspannt sich ein wenig, auch durch eine neugegründete Polizei-Task Force, die speziell die Affen ins Visier nimmt. Auch sie sind mit Steinschleudern bewaffnet. Ironischerweise aber haben erst vor kurzem 30 Affen die Polizeistation überfallen, nachdem sie aus den Käfigen ausgebrochen waren. Mein Unbehagen war mir wohl anzusehen, denn die Tänzerin schenkte mir eine Steinschleuder. Jeder Mensch hier ist mit einer solchen bewaffnet und ich sah einige Leute, die Steine auf die Kletterer schossen, um sich vor ihnen zu retten. Ich fühlte mich ein wenig sicherer und wagte mich ins besetze Gebiet. Überraschenderweise waren die Affen recht friedlich. Sie dösten in der Mittagssonne oder lausten sich. Ich sah sicher einige hundert Tiere, vor allem auf dem Gelände des Prang Sam Yot Tempels. Man kann sogar in den Tempel hinein, dessen Türen wiederum vergittert sind. Dann sitzt man quasi selbst in einem dunklen Käfig. Ich verließ den Tempel und begann draußen zu fotografieren. Ein Affe sprang mir auf die Schulter, biß leicht in sie hinein und flüchtete, als ich drohend einen Bambusstock hob. Die bekommt man am Eingang des Tempels. Doch die Affen fassten es wohl als Drohung auf, jedenfalls kreisten mich mehrere große Affen ein. Die Zähne gefletscht, stand der Angriff unmittelbar bevor. Ich zog die Steinschleuder und zielte. Kampflos würde ich mich nicht ergeben. Und tatsächlich, die Tiere erkannten die Waffe und flohen. Das war knapp. Ich verließ den Tempel und ging die Straße hinunter, wo es mir sicherer schien. Nun, am Nachmittag, erwachten die Affen wohl aus ihrem Mittagsschlaf. Man konnte beobachten, wie sie die Fassaden der Wohnhäuser hinaufkletterten, um zu schauen, wo sie einbrechen können. Einmal fuhr der Zug durch und die Affen plünderten die Ladeflächen der Pick-Ups, die sich vor der Schranke reihten. Ein Affe riss die Gummidichtung einer Frontscheibe heraus, ein anderer wollte sich durch ein heruntergelassenes Autofenster zwängen. An der Ecke posierte ein Ladenbesitzer mit einem Luftgewehr, um auf die Affen zu schießen, wenn sie seinem Geschäft zu Nahe kommen würden. Es ist wohl eine Hassliebe – die Affen machen ein normales Leben schwierig, aber sie bringen auch Touristen in die Stadt. Deshalb veranstalten die Bewohner jedes Jahr das „Monkey Buffet Festival“, wo sie den Tieren Unmengen an Früchten, Gemüse und Reis übergeben.

Abseits der Affen ist der Ort gemütlich. Es gibt einen fantastischen Streetfood-Nightmarket. Den besten, den ich bisher irgendwo gefunden hatte. Außerdem gibt es einen sehr alten, leicht verfallenen Tempel ohne Affen. Für einen Tag mietete ich ein Moped und fuhr rund zwei Stunden gen Osten. Dort liegt auf einer steilen Klippe der Aussichtspunkt Khao Phraya Doenthong, von dem aus man einen beeindruckenden Blick über das Tiefland hat.

Nach zwei Tagen verließ ich den kuriosen Ort im Zentrum von Thailand: Von Lopburi fuhr ich die ganze Nacht hindurch, elf Stunden lang, ins 600 Kilometer weit entfernte Chiang Mai. Leider war ich für ein Bett im Schlafabteil zu spät dran, also blieben mir nur die Bänke in der dritten Klasse.

Chiang Mai: das kulturelle Zentrum im nordthailändischen Bergland

Die Stadt Chiang Mai wirkt gleich auf den ersten Blick einladend. Man merkt, dass es hier ruhiger zugeht, als in Bangkok, aber trotzdem gibt es alles, was man für ein gutes Leben braucht. Bunte Märkte, leckeres Essen, lebhafte Viertel, aber auch ruhige Seitenstraßen – dazu ist es hier weniger heiß. Viele Touristen oder Auswanderer verbringen hier die warme Jahreszeit. Nach den turbulenten letzten Tagen entschleunigte ich ein wenig. Ich schaute mir ein paar weitere Tempel an, wobei man sagen muss, dass die sich oft ähneln und mein Interesse an ihnen langsam abflachte. Interessanter fand ich die alte Stadtmauer, wo hunderte Tauben sitzen. Einheimische füttern die und verdienen ihr Geld, indem sie Fotos von Touristen machen. Das ist Teamarbeit: einer hält das Handy, die zweite Person scheucht die Tauben zum Beispiel mit einem Besen auf, damit sie für das perfekte Foto rund um die fotografierte Person flattern.

In Chiang Mai hatte ich ein paar ruhige Tage, nutze die Stadt aber vor allem als Ausgangspunkt für zwei mehrtägige Rundreisen mit dem Moped durch die Berge. Mit kleinem Gepäck fuhr ich einmal nach Westen, über Pai und Mae Hong Son, sowie einmal Richtung Osten durch Phayao und Chiang Rai. Beide Touren sind wirklich schön.

Im Prinzip fährt man den ganzen Tag auf recht gut ausgebauten Straßen durch die Berge und hin und wieder trifft man auf kleine Ortschaften. Das ist der wesentliche Unterschied zu den philippinischen Motorradreisen, denn dort sind die Straßen schlechter, doch man kommt durch viel mehr bunte Orte. Hier hingegen ist man meist von Natur umgeben. Unterwegs gibt es viel zu sehen. So zum einen natürlich wunderschöne Ausblicke über eine weite Berglandschaft. Oft unterbrach ich die Fahrt, um mich an der Natur sattzusehen. Manchmal unterbrach ich sie auch, weil sich plötzlicher Platzregen über mich ergoss. Es war Regenzeit, doch die Regenfälle oft nach kurzer Zeit vorbei.

In der Nähe von Pai wanderte ich durch die Schluchten des Kong Lan, auch Pai Canyon genannt. Es ist ein bis zu 70 Meter hohes Fels-Plateau, allerdings hat der Regen tiefe Schluchten in den weichen Sandstein gegraben. Zurückgeblieben ist ein Skelett aus einigen hohen Felskämmen und abschüssigen Klippen.

Besonders spannend für mich war ein Besuch in der Nam Lod Höhle. Ein einheimischer Guide führte mich mehrere hundert Meter tief in die dunkle Tropfsteinhöhle. In den Spalten an den Wänden schliefen kleine Schlangen, die sich wohl von den Fledermäusen in der Höhle ernähren und nie das Tageslicht sehen. In der Höhle fließt ein Fluss. Am Höhlenausgang war gerade ein großer Fischschwarm versammelt, der von einer besuchenden Schulklasse gefüttert wurde. Ansonsten war die Höhle aber nicht besonders stark besucht. In der Nähe entdeckte ich per Zufall einen Wasserfall mitten im Wald, der zum Baden einlud.

Weiter ging es durch die Berge. Immer steiler wurden die Straßen und immer kälter der Wind. Zum Abschluss der ersten Rundreise erreichte ich den Doi Inthanon Nationalpark. Dort gibt es einige riesige Wasserfälle. Der wörtliche Höhepunkt im Nationalpark ist jedoch ein Besuch auf dem Gipfel des Doi Inthanon. Es ist mit 2565 Metern der höchste Berg in Thailand. Sogar hier hinauf führte eine gute Straße, allerdings fuhr das Moped kaum schneller als 30 km/h, als ich mich die steilen Serpentinen hinaufquälte. Für gut eine halbe Stunde war ich inmitten dichter Regenwolken. Der Nationalpark liegt so weit oben, dass man quasi in den Wolkenkörper hineinfährt. Oben angekommen wärmte ich mich mit einer Nudelsuppe auf, die ich in der hier liegenden Militärstation kauften. Dann machte ich mich auf den Weg durch den tropischen Bergwald. Ein wunderschöner Holzweg führt durch den dichten Regenwald. Im Zwielicht des Wolkennebels sieht der Wald einfach toll aus. Ein paar Treppenstufen führen zum Gipfel des Berges, wo ein kleiner Schrein den höchsten Punkt des Landes markiert. Eine Tafel am Rande weißt den aufmerksamen Besucher darauf hin, dass er sich nun auf 2565 Metern Höhe befindet.

Die Tour durch den Osten dauerte nur drei Tage an. Hier gab es weniger konkrete Ausflüge, denn mein eigentliches Ziel, der Doi Luang Nationalpark, ist überraschenderweise das ganze Jahr über geschlossen. Stattdessen hielt ich mal hier und mal da, erkundetendie Gegend in aller Ruhe und gewann einen guten Einblick in das Leben der Bergbewohner. Ich fuhr durch weite Felder, besuchte Märkte und versuchte einen See zu umrunden, an dessen Ufern Lotus als Nahrungsmittel angebaut wurde. Allerdings blieb das Moped im Schlamm stecken und es dauerte fast eine Stunde, die Schlammmassen aus dem Moped herauszugraben. Unterwegs entdeckte ich auch einen sehr kuriosen Tempel, der deutlich bunter und verrückter war, als ich es sonst gewöhnt war. Dieser Ausflug gefiel mir gut. Die Städte hier im Nord-Osten sind absolut untouristisch und sehr entspannt. Es gibt viel Wasser, was ich mag, und mal wieder fand ich auch wirklich gutes Essen unterwegs. Wie in der Vergangenheit habe ich diese Art des Reisens sehr genossen. Mit dem Motorrad ist man so flexibel, kann überall hinfahren und jederzeit anhalten. Sehr schön.

Unterwegs habe ich immer in schönen, aber günstigen Hotels übernachtet. Anschließend verbrachte ich noch einen Tag in Chiang Mai, bevor ich mit dem Zug nach Bangkok fuhr. Diesmal hatte ich rechtzeitig gebucht und einen Platz im Schlafwagen bekommen. Man sitzt sich gegenüber, doch zum Abend klappt der Schaffner die Stühle um. Sie verwandeln sich in ein Bett. Ein zweites Bett klappt er aus der Decke herunter. Danach zieht er saubere Bettlaken auf, packt Kissen und Decken in die Bezüge und schon hat man ein wirklich gutes und sehr sauberes, wenngleich schmales Bett. Man kann einen Vorhang zuziehen und ist dann ungestört. Ich zwängte mich in mein Bett und hatte tatsächlich ein paar gute Stunden Schlaf. Die Reise erinnerte mich an die zwei Nächte in der Autofähre von Palawan nach Malia. Das ist eine meiner liebsten Erinnerungen auf den Philippinen.

Angekommen in Bangkok stellte sich das Gefühl ein, dass die Reise nun enden würde. Es machte mir diesmal nichts aus, das Land zu verlassen. Ich hatte die Reise und alle Erlebnisse zwar genossen, doch inzwischen fällt es mir nicht mehr schwer, ein Land zu verlassen, weil ich weiß, dass ich beruflich oder privat schon bald wieder unterwegs sein werde.

Davon werde ich natürlich wieder berichten.

Liebe Grüße
Jonas

1 Antwort

  1. G. Kafka sagt:

    Lieber Jonas, danke, dass du mich auf so eine schöne Reise mitgenommen hast. Habe es genossen, wenn auch nur in Gedanken dabei sein zu dürfen.
    Deine Fotos sind sehr inspirierend.

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