Tasmaniens Osten

Liebe Leserinnen und Leser,

meine viel zu kurze Zeit in Tasmanien neigt sich leider schon wieder dem Ende zu. Und gerade deshalb gibt es heute wieder viel zu erzählen. Wie ihr wisst – wenn ihr immer fleißig gelesen habt – waren Frithjof und ich in der letzten Woche anspruchsvoll wandern und haben den „Frenchmans Cap“ erklommen. Das Wochenende hatten wir dann in Hobart verbracht, die Stadt aber am Sonntag verlassen.

Dann waren wir nämlich an Tasmaniens Ostküste unterwegs, und das hat sich echt gelohnt. Am Sonntagmorgen sind wir mit dem Bus in ein kleines Örtchen namens Triabunna gefahren und von hier setzt eine Fähre zu einer Insel namens „Maria Island“ über. Auf der Insel war früher ein Gefängnis. Später wurde sie zum Zementabbau genutzt, und beherbergte zwischenzeitlich Farmer, Fischer und Walfänger. Das alte Dörfchen „Darlington“ steht noch teilweise und wird heute als Touristenquartier, Sitz der Ranger und Verwaltung des Parks und des Zeltplatzes genutzt.

Die Insel ist 20 Kilometer lang und 13 Kilometer breit, hat sehr schöne Strände und sehr viel Wald. In der Mitte ragt der „Mt. Maria“ empor, ein erloschener Vulkan. Es gibt nur wenige Touristen, aber wer hierherkommt, schätzt die Natur (Maria Island ist ein Nationalpark) und die Tiere. Die Insel dient dem Tierschutz, so wurde zum Beispiel der Tasmanische Teufel angesiedelt und man sieht ebenfalls sehr viele sehr kleine Wallabys, Kängurus, Wombats und einige Echidnas.

Soweit die Fakten, nun beginnt auch schon die Schilderung unserer Abenteuer. Als wir auf der Insel ankamen, haben wir als Erstes das Zelt errichtet und sind dann in der „Fossil Bay“ schnorcheln gegangen. Auch wenn die Bucht mit ihren vielen – leider nicht so gut erhaltenen – Muschelversteinerungen toll aussah, waren wir von der Unterwasserwelt eher enttäuscht. Vielleicht liegt es an dem doch spürbar kalten Wasser, jedenfalls sah man einfach keine Fische, nur ab und zu ein paar Pflänzchen.

Relativ schnell haben wir eingesehen, dass es unter Wasser keine Tiere gibt, und so entschieden wir uns, stattdessen die landlebenden Tiere aufzusuchen. Besonders Wombats findet man hier sehr viele. Und auch ein paar kleine süße Wallabys, Kängurus und einen Echidna haben wir noch gesehen. Die meisten dieser Tiere sind eigentlich nachtaktiv, aber in letzter Zeit war auf Tasmanien eine starke Dürre. Auf der Insel gab es also kaum noch grünes Gras, sodass ich den Eindruck hatte, dass einige Tiere nun permanent Nahrung suchen müssen. Ein paar Wallabys sind sogar in den Fluss gestiegen, um Wasserpflanzen zu fischen.

 Australische Tiere sind ja immer sehr beeindruckend für uns Ausländer. Das beste Tier ist für mich aber ohne Zweifel der Wombat. Diese „Bärchen“ sind gar nicht ängstlich, und wenn man sich nähert, fressen sie einfach seelenruhig und uninteressiert weiter.

Am nächsten Morgen haben wir die Insel dann mit einer großen Wanderung erkundet. Leider hatten wir nicht genug Zeit, um auf den Mt. Maria zu steigen, aber wir sind ein ganzes Stück an der Küste entlanggelaufen. Besonders schön war dabei ein Halt bei den „Painted Cliffs“, den malerischen Klippen der Insel.

 Leider hatten wir ab diesem Tag nicht mehr so viel Glück mit dem Wetter. Es wurde noch am selben Nachmittag kühler und unser Strandbesuch endete verfrüht. Stattdessen sind wir bis zum Abend noch ein bisschen weiter über die Insel gewandert. Wir fanden ein kleines, grünes Bachbett. Der größere Teil der Insel war im Moment aber grau und vertrocknet.

Hier sieht man übrigens ganz klein auch noch die Zementtürme der ehemaligen Zementfabrik. Diese sind hohl und früher gab es mal eine rostige Stahlleiter, die von innen bis auf das Dach führt. Die Ranger haben aber die Stufen der unteren drei Meter entfernt und denken nun, dass kletterbegeisterte deutsche Backpacker nicht mehr in der Lage wären, auf das Dach zu steigen und die Aussicht zu genießen. Ein Irrtum!

Am Dienstagmorgen haben wir uns dann nochmal das alte Dorf „Darlington“ angeschaut. Auf der Insel gibt es einige alte Häuser und alle sind offen und teilweise noch eingerichtet. Touristen können sich also alles anschauen und Frithjof konnte uns auf dem alten Klavier in der ehemaligen Schenke sogar ein Ständchen spielen.

Gleich darauf haben wir die Insel dann mit der Fähre verlassen, nur um drüben zu merken, dass am Dienstag keine Busse fuhren (wegen des „Australia Day“). Also haben wir den Tag in dem Dörfchen verbracht, indem wir uns ein paar alte Bücher gekauft haben und dann auf einen kostenlosen Zeltplatz gezogen sind und gelesen haben. Am Abend habe ich mir dann noch die kleine Anlegestelle mit den alten Fischerbooten angesehen.

An diesem Tag ist also nicht so viel passiert, Mittwoch sind wir dann aber weiter zu einer berühmten Halbinsel, die den klangvollen Namen „Freycinet“ trägt. Diese ist eines der – wenn nicht sogar das Highlight an der Ostküste. Die Halbinsel ist ein Nationalpark und in der Mitte liegen drei Berge mit fast 500 Meter Höhe. Es gibt zum Festland hin einen riesigen, unglaublich langen Sandstrand und an der Seeseite gibt es auch noch eine kleine Bucht, die „Wineglass Bay“. Dieser Name kommt noch aus der Walfangzeit. Wenn die Walfänger hier auf Jagd gingen, wurde das Blut der Tiere in der Wineglass Bay angespült und färbte diese weinrot.

Gestern fing es hier an zu regnen (schlecht für uns, aber gut für die vertrocknete Natur Tasmaniens). Frithjof hat sich deshalb ein trockenes Plätzchen auf dem Campingplatz gesucht (definitiv nicht unser Zelt), ich bin aber schon mal in die 10 Kilometer entfernte Bucht gewandert. Heute sind wir dann nochmal zusammen hin.

Als Erstes sind wir aber auf den „Mt. „Amos“, einer der Berge auf Freycinet. Der Aufstieg war durch den Regen recht glatt und meine Wanderschuhe hatten absolut gar keinen Halt. Nach zwei Stürzen und vielen heiklen Situationen haben sie ihr Todesurteil so gut wie unterschrieben. Der Gipfel an sich war sehr schön, aber die niedrigen Wolken verhinderten jeglichen Ausblick. Dafür sind wir in den Genuss eines Sturmwindes gekommen, der über den Gipfel fegte. Einen guten Ausblick hatte man erst wieder beim Abstieg, sobald wir unter den Wolken waren.

Besonders schön ist die Wineglass Bay. Sie liegt wie ein Trichter zwischen zwei Bergkämmen, sodass der Wind permanent durchpfeift.

 Unten angekommen, hat man dann auch gesehen, wie der Wind die Wellen bis zu drei Meter Höhe aufpeitscht. Frithjof und ich hatten extra die Wetsuits dabei und haben uns für die nächste halbe Stunde in die Wellen gestürzt. Es war nicht immer möglich, über Wasser zu bleiben, und ich habe auch mindestens zwei Liter Salzwasser verschluckt, aber es war wunderschön! Immer wenn eine Welle anrollte, versuchten wir entweder, darüber oder draufzuspringen, oder darunter durchzutauchen. Bei Misserfolg wurde man unter Wasser immer mehrere Meter fortgespült.

Das hat auf jeden Fall Spaß gemacht, auch wenn mir danach vom vielen Salzwasser ein bisschen schlecht war und wir beide völlig durchgefroren waren.

Wir haben uns also zurück zum Zeltplatz begeben und dann fing es richtig an zu regnen. Unser Zelt wird immer nasser, die Ausrüstung ist nun auch schon sehr durchweicht. Ich sitze hier unter einer Art Hütte, dem einzigen sicheren Platz im Moment, von Moskitos umschwirrt.

Aber immerhin haben wir hier noch zwei Urlauber aus Deutschland getroffen – Detlev und Jutta – und beide haben uns irgendwie ins Herz geschlossen. Zumindest machen sie uns morgen netterweise Frühstück, und fahren uns dann sogar in die nächste Stadt, weil wir von dort aus mit dem Bus zurück nach Hobart fahren werden. Wir haben heute früh schon mit den beiden gefrühstückt (endlich mal wieder Vollkornbrot) und uns viel und gut über unsere Zukunftspläne unterhalten.

Jetzt ist bei mir schon seit ein paar Minuten Freitag und wir werden nun also heute nach Hobart zurückreisen. Frithjof hat Schmerzen im Fuß, er will zu einem Arzt. Außerdem werden wir abends ins Kino gehen. Samstag ist dann noch ein kleiner Hobart-Tag mit Besuch im viel diskutierten Mona-Museum geplant. Und dann geht es auch schon zurück nach Melbourne und nächste Woche weiter nach Adelaide.

Jetzt muss ich aber Schluss machen, denn morgen früh gibt es um neun Uhr Frühstück mit Jutta und Detlev.

Liebe Grüße,
Jonas

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3 Antworten

  1. Erwin sagt:

    Hallo Jonas,

    da habt ihr ja wieder einiges erlebt. Tolle Fotos mit herrlichen Landschaften.
    Auch die Tieraufnahmen sind mal wieder nicht von schlechten Eltern.
    Vor allem der kleine? Wombat und die sich umarmenden Kängurus.
    Könntest du uns vielleicht so nen Wombat mitbringen? Lilli würde sich sehr über ein neues Haustier freuen.
    Interessant was die Australier als alt bezeichnen. Die Hütten würden zwar nicht als Neubau bei uns durchgehen aber alt? Immerhin haben diese einen Kamin, das ist nicht selbstverständlich dort, oder?
    Wie warm ist eigentlich im Moment das Meereswasser da unten? Sieht jedenfalls nicht sehr einladend aus.
    Jonas sei vorsichtig beim baden/schwimmen im Meer. Ich würde mich möglichst vorher bei den Einheimischen informieren ob es gefährlich werden könnte. Ich habe mal einen Typ kennengelernt, der wäre fast ertrunken, obwohl er ein sehr guter Schwimmer ist. An manchen Stellen gibt es eine starke Unterströmung die zieht dich raus aufs offene Meer, da hast du kaum ne Chance zurückzukommen.
    Die Top 5 Liste der Traumstrände wirst du wohl auch noch einige Male aktualisieren, oder?
    Bei uns ist der Winter inzwischen wieder verschwunden und der schöne Schnee schwimmt gerade durch Magdeburg. Immerhin bin ich 2 mal mit den Ski an der Elbe zum Blauen Wunder gefahren. Der Winterurlaub im Allgäu wird dann wohl auch kein Skiurlaub werden. Die haben die nächsten Tage auch 2 stellige Temperaturen über 0. Aber wir können dort ja auch wandern, baden oder klettern gehen. So wie du auch nur in anderer Umgebung und nicht ganz so weit entfernt 🙂

    Also dann, halt die Ohren steif, machs gut und viele Grüße aus der Heimat

    • Jonas sagt:

      Hi Erwin,
      Auf Skiurlaub hätte ich auch mal wieder große Lust, von da her würde ich mich auf jeden Fall für euch freuen wenn es doch noch schneit. Ansonsten ist “normaler” entspannter Urlaub auch nicht schlecht.

      Wegen den Strömungen hab ich auch schön gehört dass die gefährlich sein können. Manchmal stehen sogar Warnschilder. Aber dieser Strand war ja nicht am offenen Meer sondern in einer zurückgesetzten Bucht. Da hätte man glaube ich noch ganz gut ans Ufer schwimmen können 🙂
      Das Wasser war dort zumindest deutlich kälter als in Sydney, deshalb waren die wetsuits hilfreich.

      Die Häuser sind ja wirklich nicht alt, aber die Australier sind immer stolz darauf, wenn ein Haus überhaupt mal hundert Jahre hat. Es ist halt fast alles neu und da ist so ein original erhaltenes siedlerdörfchen schon was besonderes.

      Einen wombat könnte ich euch höchstens ausgestopft zuschicken. Aber die sind schon recht groß, so ein Meter bestimmt 😀
      Also eher nichts für die Stadtwohnung

      Liebe Grüße
      Jonas 🙂

  2. Margit sagt:

    Hallo ihr beiden,

    bevor ihr euch in ein paar Tagen wohl in Melbourne trennt, möchte ich euch sagen, dass ich es klasse finde, dass ihr jetzt zwei so schöne Woche zusammen verbracht habt. Ich habe den Eindruck, ihr habt euch gut ergänzt und für manch Unternehmungen ist es ja auch sicherer, wenn man nicht allein ist.
    Gefreut hat mich zu lesen, dass ihr so nette Deutsche getroffen habt, das Vollkornbrot und die Gespräche über Deutschland und das Geschehen hier zu schätzen wusstet.
    Die Tierbilder finde ich sehr schön und interesant ist wirklich die Relation von “alt” und “etwas alt” und dass man das bisschen alte Dorf einfach so lässt, damit man ein wenig nachvollziehen kann, wie es dort noch vor ca. 100 (?) Jahren aussah.
    Ich wünsche ich euch gute neue Wanderschuhe und Abhilfe für Frithjofs ledierten Fuß!

    Herzliche Grüße!

    Margit

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