Von Ost nach West
von Jonas · 27. Januar 2017
Liebe Leserinnen und Leser,
heute schreibe ich euch aus der kubanischen Hauptstadt Havanna. Am Montag sind wir hier angekommen, haben unser Auto abgegeben und somit unseren Roadtrip quer durch Kuba beendet. Der verlief ohne jegliche Probleme, obwohl wir auf irgendeiner holprigen Straße scheinbar ein Plastikteil verloren hatten. Aber hier in Kuba hatte ich (zum ersten Mal) eine Versicherung für den Mietwagen dazugebucht.
In diesem Artikel möchte ich die letzten Stationen unserer Reise vorstellen. Sehr bald schreibe ich noch über Havanna.
Im letzten Beitrag waren wir gerade in Santiago de Cuba, also ganz weit im Osten des Landes angekommen. Hier haben wir in einer sehr einfachen Casa eingecheckt, die aber zentrumsnah gelegen war. Für diese große Hafenstadt hatten wir uns zwei Nächte, also einen kompletten Tag, eingeplant. Sehr interessant war zum einen die Innenstadt. In den vielen engen Gassen fanden wir sehr schöne kleine Restaurants mit kubanischer Livemusik. Durch das Zentrum führt außerdem ein langer Boulevard vorbei an vielen kleinen kubanischen Läden und Imbissständen. Einen einfachen Burger bekommt man hier für 50 Cent. Santiago ist insgesamt sehr schön erhalten und modern gestaltet, wahrscheinlich auch, weil es seit einigen Jahren regelmäßig von großen Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird.
Dass die Stadt früher oft von Piratenschiffen aus Jamaika angesteuert wurde, zeigt die Festung San Pedro de la Roca del Morro. Der Ort liegt am Ende einer sehr großen Bucht, an deren Eingang man bis 1700 die riesige Festung errichtet hat. Die Burg wurde an einem steilen Hang erbaut und hat deshalb viele Ebenen. Von ganz oben hatte man einen guten Ausblick auf das Meer und die Stadt. Weiter unten waren Kanonen positioniert, um feindliche Schiffe zu versenken. In der Burg gibt es einen Munitionsraum, und über eine Schiene konnten auf kleinen Wägen Kanonenkugeln zu den verschiedenen Ebenen transportiert werden.
In der Bucht liegt außerdem eine kleine Insel, Cayo Granma genannt. Hier sind vor allem Fischer ansässig. Mit einer kleinen Fähre setzten wir auf die Insel über, und haben sie zu Fuß erkundet. Die Leute sind hier merklich ärmer. Viele Hütten sind schon stark verfallen, und sehr viele der ehemaligen Bootstege werden dem Meer überlassen und Stück für Stück weggespült.
Santiago war die östlichste Station unserer Reise. Und auch den Westen wollten wir noch ausgiebig erkunden. Für die 14 Tage, in denen wir unseren Wagen hatten, erforderte das einen ziemlich straffen Zeitplan. Deshalb sind wir auch am nächsten Tag ohne Pause von Santiago nach Trinidad durchgefahren. Das ist eine 600 Kilometer lange Strecke, bei kubanischen Straßenverhältnissen hat das fast neun Stunden gedauert. Dafür waren wir am Abend in Trinidad, der Stadt, die für ihren Kolonialbaustil bekannt ist. Allerdings fand ich den Ort weniger schön, als erwartet. Natürlich bot die Innenstadt Trinidads einen schönen Anblick, mit vielen kopfsteingepflasterten Wegen und großen, einst prunkvollen Gebäuden. Aber hier gibt es unglaublich viele Touristen, und dementsprechend ist wenig kubanische Kultur übrig geblieben. Die Stadt wirkt jetzt an vielen Ecken wie ein großer Souvenirladen.
Sehr schön ist aber die Umgebung Trinidads. Der Nationalpark Pico San Juan hat ein paar schöne Wasserfälle zu bieten. Am Wasserfall El Cubano waren wir schwimmen. Man konnte sogar in ein paar Höhlen in der Felswand hineinschwimmen. Und auch die Wanderung durch den ruhigen Wald war sehr erholsam. Interessant fand ich eine sonnige Felswand, an der sich über Jahre hinweg unzählige Wespenvölker angesiedelt haben. Die vielen Nester locken auch Vögel an, die mit ihren langen Schnäbeln die Larven herauspickten.
Am Abend sind wir noch auf den Cerro de la Vigia gestiegen. Dieser Berg liegt direkt hinter der Stadt und ermöglicht einen beeindruckenden Ausblick auf die Stadt und das Meer, und auch auf den Nationalpark.
Am nächsten Morgen verbrachten wir ein paar Stunden am Strand von Trinidad.
Anschließend fuhren wir an die Schweinebucht. Dort liegt Playa Larga, ein kleines Dorf direkt an der Bucht, in dem 1961 die amerikanischen Soldaten landeten, um Fidel Castro zu bekämpfen. Heute spürt man von der Vergangenheit nicht mehr viel. Playa Larga hat sich vor allem auf Touristen vorbereitet, die ihren Urlaub am Strand verbringen möchten. Wir haben hier eine sehr schöne Casa gefunden, vor deren Tür direkt das Meer lag.
Nach einem Tag am Strand brachen wir auf und steuerten in Richtung unserer letzten Station: Viñales. Der Ort liegt in einem langen und fruchtbaren Tal, dem Valle de Viñales. Hier ist ein Großteil der kubanischen Landwirtschaft ansässig. Mit einem einheimischen Guide haben wir einen mehrstündigen Ausritt gemacht, und dabei eine Tabakfarm, aber auch einen Kaffeebauern und einen Rumhersteller besucht. Der Ausritt durch die Felder und Wälder des Tals war eine sehr schöne Erfahrung, besonders weil man oft gute Ausblicke über das weite Land hatte. Nur unsere Pferde haben mir leidgetan, denn der Bauer hat sie häufig mit der Peitsche geschlagen.
Insgesamt ist Viñales ein sehr lohnendes Ziel in jeder Kubareise. Auch die Höhle Cueva del Indio ist einen Besuch wert. Hier wird man in einem Motorboot durch das geflutete Höhlensystem gefahren.
Leider war Viñales der letzte kubanische Ort, den wir uns auf unserer kurzen Reise anschauen konnten, bevor es nach Havanna weiterging. Am Dienstagabend haben wir noch in einem Vorort Havannas übernachtet – im Haus der ehemaligen Schauspielerin Miriam Learra. Und heute ging es dann endgültig in die historische Innenstadt Havannas. Hier werden wir die letzten fünf Tage verbringen, bevor wir am Montag nächster Woche in die Dominikanische Republik reisen.
Doch davor werde ich wahrscheinlich nochmal schreiben und von Havanna berichten.
Bis bald,
Jonas

























































Hast du auch die Pferde gestreichelt?