Von Melbourne nach Alice Springs

Hallo liebe Leser,
schon wieder ist eine Woche vergangen, seit ihr das letzte Mal von mir gehört habt. Aber gerade in der letzten Woche habe ich unglaublich viel erlebt und deshalb nicht einmal Zeit gefunden, zu schreiben. Jetzt habe ich aber „endlich“ mal wieder einen ruhigen Abend und kann euch auf den neusten Stand bringen.

1. Letzte Tage in Melbourne

Ihr wisst ja, dass wir am 31. Januar aus Tasmanien zurückgekommen sind, und auch von meinem Streetart-Walk in Melbourne habe ich euch schon berichtet. Mein Plan war es aber, Melbourne so schnell wie möglich zu verlassen, um mit dem restlichen Geld, das mir bleibt, ins Outback zu kommen. Ich habe mir also noch den Montag und Dienstag Zeit genommen, um dann am Mittwoch aus Melbourne auszureisen.

Am Montag habe ich mich früh auf den Weg gemacht, um entlang des Ufers des „Yarra River“ durch die Stadt bis zu den Docklands – einem Teil des Hafens – zu gelangen. Gestartet bin ich im „Royal Botanical Garden“, dem grünen Herzen Melbournes.

Kaum den Park verlassen, wurde es aber zunehmend belebter. Das Stadtzentrum – der sogenannte „Central Business District“ – liegt direkt am Fluss, also wurden die Häuser immer höher, die Straßen immer voller und oft wurde der Fluss von Brücken überspannt. Dabei hat die Stadt aber einen unglaublichen Charme. Die Innenstadt-Architektur ist sogar fast noch schöner als die von Sydney, und die Uferpromenade ist ebenfalls sehr schön und grün gestaltet. Oft trifft man auf sehr professionelle Straßenkünstler, die mit Musik, Tanz, Feuershows oder Kunst die Passanten begeistern. Wenn man dieses Zentrum hinter sich lässt, kommt man als Nächstes in ein sehr edles Viertel mit teuren Häusern und Appartements, sowie sehr schönen kleinen Bars am Ufer. Hier gibt es auch sehr viele Anlegestellen für teure Privatboote. Und ein Stückchen weiter beginnt dann schon die Hafenindustrie. Außerhalb des Stadtzentrums wird auch viel gebaut, ich glaube, dass Melbourne stetig weiterwächst. Hier mal ein paar Eindrücke von meiner Wanderung am Fluss.

 Das absolute Highlight des Tages war aber ein Besuch auf dem „Euroka-Tower“. Von den Australiern liebevoll als Wolkenkratzer bezeichnet, ist der „nur“ 297,3 Meter hohe Turm das höchste Wohnhaus Melbournes, das zweithöchste von ganz Australien und auf Platz 108 weltweit. Bei Dämmerung bin ich mit Frithjof auf die Aussichtsetage hinaufgefahren. Von der schönen Aussicht über die immer dunkler werdende Stadt waren wir begeistert! Erstaunt war ich über die unglaubliche Weite der Stadt. Bis zum Horizont sah man die Lichter der Gebäude. Schade nur, dass sich die ganze Etage hinter dreifachem Glas versteckte. Es war also für mich eher schwierig zu fotografieren, weil sich ständig irgendwelche Möbel, Menschen oder Lampen vor der Kamera spiegelten. Ein paar Fotos in dunklen Ecken sind dennoch halbwegs gelungen:

Hier sieht man übrigens im Vordergrund die „Flinders Station“. Direkt hinter dieser Zugstation liegt das Hostel, in dem wir lebten: „Flinders Backpackers“ – sehr zu empfehlen.

Auch wenn es wieder ein paar hart erarbeitete Dollar gekostet hat: Dieser Blick über die nächtliche Stadt war schon wirklich richtig schön, und auch der Heimweg durch die beleuchteten Straßen war interessant, zumal wir wieder einigen Straßenkünstlern zusehen konnten.

Eine Überraschung hatte dieser Tag auch noch bereit. Ich hatte bei einem Fotowettbewerb einen Preis gewonnen und am Montag kam das Paket an. Geschockt war ich, als ich beim Auspacken eine komplett neue „Xbox One“ mit umfassendem Zubehör und dem Spiel „Halo“ entnahm. Ein toller Preis, nur für mich als Reisenden eher ungeeignet.

Am nächsten Tag gab es vor allem einiges vorzubereiten, weil ich ja schon einen Tag später weiter wollte. Und auch Frithjof hatte geplant, am Mittwoch aus Melbourne weg – und stattdessen nach Sydney zu gehen, wo er seinen Fuß kurieren möchte.

Wir sind also durch die Stadt gegangen, um einiges zu organisieren. Ich habe die Xbox für gutes Geld verkauft und am Nachmittag sind wir noch in den langerwarteten neuen Quentin-Tarantino-Film gegangen: „The Hateful Eight“. Ein sehr schräger Film über verschiedene Reisende, die im Wilden Westen in einem verschneiten Blockhaus aufeinandertreffen und dann in gewohnt amüsanter Tarantino-Manier eskalieren.

Mein Fazit: Melbourne ist eine tolle, moderne Stadt mit einem wunderschönen, lebhaften Stadtzentrum. Sydney bleibt aber trotzdem ungeschlagen, weil der Hafen und die vielen Strände von Sydney in Melbourne einfach fehlen. Nichtsdestotrotz: Beim Verlassen habe ich mir wiedereinmal vorgenommen, nocheinmal herzukommen.

2. Auf der Great Ocean Road Richtung Adelaide

Am nächsten Morgen habe ich mich von Friethjof verabschiedet und bin aufgebrochen, um mich mit zwei Backpackerinnen zu treffen, mit denen ich dann gemeinsam nach Adelaide wollte. Natalie und Tanja hatten sich ein Auto gemietet und mir über Facebook einen Lift angeboten. Wir haben uns in Melbourne getroffen und sofort gut verstanden. Der Plan war, bis Samstagmittag nach Adelaide zu kommen, und dazwischen ausführlich die „Great Ocean Road“ zu erkunden. Die GOR ist Australiens wohl berühmteste Straße, da sie an der wirklich schönen Südküste des Landes verläuft. Entsprechend langsam sind wir vorangekommen, da wir sehr oft irgendwo gehalten haben und uns jedes Mal wirklich überragende Ausblicke, Anblicke oder Eindrücke geboten wurden. Hier ein paar Fotos:

Unterwegs waren wir in einem kleinen Micra. Ich saß auf der Rückbank… Vor diesem Schild hält übrigens so ziemlich jeder Touri, also auch wir.

Wie man hier sieht, hat es an manchen Teilen der GOR erst kürzlich gebrannt. Es sah schon sehr interessant aus, durch diese komplett eingeäscherten Gebiete zu fahren, die nur von Krähen auf der Suche nach Aas belebt waren.

Die Zwölf Apostel! Oder zumindest die übrigen Apostel, die noch nicht eingestürzt sind. Beeindruckt waren wir aber eher von den riesigen Massen chinesischer Touristen, die plötzlich alle hier bei den Aposteln waren.

Weniger begangen waren andere Felsformationen wie zum Beispiel die „London Bridge“:

 Hier haben wir sogar einen Vulkanschlot gesehen, der nun mit wirklich unglaublich blauem Wasser gefüllt ist.

Ich kann gar nicht alle Bilder zeigen, so viel haben wir gesehen. Wir waren zum Beispiel auch in einer Tropfsteinhöhle oder auf einem vertrockneten Salzsee unterwegs.

Gereist bin ich die ganze Strecke, wie gesagt, mit Tanja und Natalie. Tanja ist aus Duisburg und hat schon fast zu Ende studiert. Vor der letzten Prüfung hat sie aber nochmal eine Reise durch Australien gestartet, die nun aber leider bald zu Ende geht. Sie hat das Auto gemietet und auch unfallfrei gesteuert. Natalie hat wie ich bis jetzt „nur“ das Abitur und hatte dann in Deutschland noch ein freiwilliges Jahr eingelegt, bevor sie nach Australien kam. Sie hat in den ersten Tagen für die Musik im Auto gesorgt – also als DJ natürlich, manchmal auch selbst gesungen. Wir haben immer irgendwo auf kostenlosen Campingplätzen übernachtet. Beide haben sich über mein Zelt amüsiert, das ich für 15 $ im Kmart erworben hatte. Es war knallrosa – es gab keine anderen Farben mehr.

Wir hatten eine schöne Zeit unterwegs im Auto, auf Wanderschaft und beim Campen. Einmal sind wir mitten in der Nacht aufgestanden, um den Sternenhimmel zu bewundern. Tanja und ich sind sogar im eiskalten Ozean schwimmen gewesen.

Und natürlich haben wir unterwegs auch Einheimische getroffen.

3. Mit dem Ghan durchs Outback

In Adelaide hatten wir nur noch den Samstagabend. Wir haben uns die Stadt angesehen, die wirklich nicht so groß ist. Mir gefällt am besten der Stadtpark, aber ansonsten ist die Stadt recht ruhig, klein und verschlafen.

Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen. Denn ich habe mich auf den Weg ins Herz des Landes gemacht, während meine Natalie und Tanja wieder zurück nach Melbourne fahren mussten.

Netterweise haben sie mich noch zum Bahnhof gebracht und hier bin ich in Australiens legendären Langstreckenzug, den „Ghan“, gestiegen, der Adelaide mit Darwin verbindet. Ursprünglich war es eine Kamelkolonne, doch nun ist es ein sehr langer Zug, der die 3000 Kilometer lange Strecke überwindet. Mit bis zu 26 Kabinenwagen, Gepäckwagen und einem Autowaggon – außerdem noch der Zuglokomotive und einer Ersatzlokomotive für den Notfall – ist der Ghan schon ein sehr beeindruckendes Fahrzeug. Es gibt die Platinum-, Gold-, und Redklasse, wobei letztere die günstigste Variante des Reisens ist. Die Fahrt von Adelaide bis zu meinem Stop in Alice Springs hat 26 Stunden gedauert.
In dieser langen Zeit kann man durch das Fenster das Outback beobachten, mit den dort lebenden Tieren, wunderschönen weiten Landschaften und einigen Roadtrains. Man kann auf den komfortablen Sitzen bequem schlafen oder ein Essen im Kantinenwaggon genießen. Oder – wenn man sich geschickt am Zugpersonal vorbeischleicht – kann man auch mal einen Blick in die unglaublich noble Gold- und in die noch bessere Platinumklasse werfen (bis man verärgert wieder rausgeworfen wird).

So sieht das Reisen und Essen in der Redklasse aus. Es folgen ein heimliches Selfie vor den Privatkabinen der Goldklasse und ein Bild des (noch leeren) Diningrooms der Platinumklasse. 

Die Zugfahrt ist aber erst durch die unbeschreiblichen Ausblicke so schön geworden. Jedenfalls für mich war das Outback beeindruckend und interessant. Es war spannend, die weiten Steppenlandschaften zu sehen, mit vereinzelten (Farm)tieren, die nach den letzten Wasserresten suchen. Und an anderen Stellen hatte es erst geregnet, sodass das ganze Outback in frischem Grün erschien. Wir haben auch einmal gehalten, um den Sonnenaufgang anzuschauen und Benzin und Wasser aufzufüllen. Allgemein fuhr der Zug aber auch so langsam, dass ich gut fotografieren konnte.

Die Fahrt im Ghan war definitiv jeden Cent wert. Ich fand es so schön, in diesem alten Stahlkoloss zu sitzen und draußen Australiens unberührte Wildnis vorbeiziehen zu sehen. Deshalb war ich fast schon traurig, als der Zug in Alice Springs ankam. Aber hier bin ich als abschließendes Highlight noch von meinem Waggon bis zu den Lokomotiven gegangen, um sie mir von Nahem anzusehen. Ich bin sogar auf die Zuglok hochgeklettert, zum Glück unbemerkt.

Die Fahrt mit dem Ghan war eine sehr coole Australien-Erfahrung für mich. Nun bin ich hier in Alice Springs und werde mich in den nächsten Tagen mal ein bisschen umsehen und mir überlegen, was ich hier anstellen werde. Ich will auf jeden Fall zum „Uluru“ (Ayers Rock) und den „Olgas“, gern auch zu „Kings Canyon“. Ich hatte mir auch überlegt, dass es interessant wäre, in dieser Gegend zu arbeiten. Ihr hört auf jeden Fall bald wieder von mir

Liebe Grüße,
Jonas

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6 Antworten

  1. Leo sagt:

    Ach Jonas,
    immer wenn ich mir deinen Blog so durchlese bekomme ich gleich Lust auch sowas zu machen 😀
    Es ist schön anzusehen, was du auf deiner Reise alles erlebst und vorallem wen du dabei alles kennenlernst.
    Die Bilder, die dabei entstehen, geben dem Ganzen noch einmal einen wunderschönen Eindruck von deinem Erlebnissen.
    Mich persönlich würde es noch interessieren, wie gut du mit deinem Englisch zurecht kommst ^^.
    Mach mit deinem Blog einfach so weiter wie bisher, er ist gut so wie er ist. 😉

  2. Ben sagt:

    Hi Jonas,

    thank you for that nice article, now we are up-to-date about your journey. I am happy that you have arrived safe and sound at Alice Springs. The pictures are amazing !!!

    Your blog is actually worth reading. As Leo wrote, just go on like that.

    Best, Ben

  3. Papa sagt:

    Hallo Jonas,
    also wenn du mich fragst: ich finde Deine Blog-Inhalte echt super! Zu viele Bilder können es fast nie sein, und wenn du da zwischenrein – so wie bisher – immer paar Erklärungen und teilweise humorvolle Berichtsteile schreibst, ist alles palletti und wir hören Dir gern zu! (gucken…, lesen…). Neben den spektakulären Bildern finde ich persönlich ja immer auch die dynamischen Porträts besonders gut: Wie du mit dem Fuß den Ghan festhältst oder wer alles noch vor den 12 Aposteln mit rumstand oder das Känguru vor dem Road-Train oder letztens der Pastor mit seinem Hund…
    Nun lass dir bei 40°C in der Steppe die Kamera nicht verklemmen und auch nicht das Schreibutensil!
    Und grüß mir die australischen Kamele, wenn du welche siehst.
    Papa

  4. Jonas sagt:

    Hallo ihr drei,
    danke fuer die Antworten. Ich werde also genauso weiterschreiben, wenn soweit alles ok ist. Und stimmt, zu viele Fotos sind es eigentlich nie 😀 Ich habe inzwischen so viele, dass ich ein Fotobuch machen koennte und vielleicht auch mache wenn ich wieder da bin 🙂

    @Leo: Das Englisch verbessert sich stetig. ich verstehe fast alles (wenn die Leute nicht mit zu starkem Dialekt reden) und kann mich auch immer besser ausdruecken. Man trifft leider sehr viele Deutsche, was nicht so foerderlich ist, aber seit ich im Outback bin habe ich keine Deutschen mehr gesehen. Also zur Zeit muss ich ausschliesslich englisch reden, und das hilft echt gut beim lernen.

    @Papa: Das Schreibutensil wurde leider geklaut, aber ich habe jetzt eine neue Tastatur gekauft. Leider jedoch in englischem Layout, sodass einige Zeichen fehlen. Aber egal, der Blog wird weiterhin aktuell gehalten 🙂

    Liebe Gruesse
    Jonas

  5. Erwin sagt:

    Hallo Jonas,

    ich kann mich nur den anderen Kommentatoren anschließen.
    Dein Blog ist super,da gibt es nix zu meckern. Mach weiter so.

    Das letzte Foto ist aber nicht typisch fürs Outback, oder?
    Und das mit dem blauen Wasser im Vulkankrater musste ich erstmal recherchieren, weil es so unnatürlich wirkt.
    Also Ende der 80er Jahre wurde das Loch von der Firma Kodak hergestellt (Wasserstoffbombe) und mit gefärbtem Wasser befüllt, als weiteres Fotomotiv auf der GOR. Genau wie die 12 Apostel in Wirklichkeit aus Kunststoff hergestellt sind. (dabei sehen die total echt aus…) Und erst kurz vor der Eröffnung der GOR installiert wurden.
    (Das wurde vor 19 Monaten von einem Wistleblower geleakt, hat aber kaum einer mitbekommen) Jedenfalls hat das die Firma Kodak damals an den Rand der Insolvenz getrieben und als die Digital Kameras Einzug gehalten haben, hatte Kodak kaum noch Rücklagen um das Geschäftsmodell umzustellen und ging Pleite. Aber das nur am Rande.

    Wir sind nun wieder aus dem Winterurlaub zurück, die Woche verging wieder sehr schnell. Mit Ski fahren war nicht viel los diesmal. Lilli war 2 Tage am Hang und Felix 1 Tag. Nun sind die beiden bei Claudias Eltern in Magdeburg. Wir treffen uns am Wochenende in Berlin und feiern den Geburtstag ihrer Schwester.

    Machs gut + liebe Grüße von Erwin

    • Jonas sagt:

      Hi Erwin,

      gut dass wir einen waschechten Australien-Experten in der Familie haben 🙂 Orks auf Tasmanien, Felsen aus Plastik und ein gefaerbter See. Das sind alles Informationen die ein normaler Reisefuehrer vorenthaelt.

      Um euren Winterurlaub beneide ich euch ein bisschen. Auch wenn kein Schnee lag, wenigstens wahr es KUEHL. Ich bin ja in Alice Springs gewesen und nun weiter ueber Townsville nach Cairns. Und hier ist es immer soooo heiss. Ich verbringe ca vier Stunden pro Tag in irgendwelchen Pools, aber selbst das Wasser ist warm. Das gleiche gilt fuer die Duschen. Inzwischen habe ich gelernt, dass man kaltes Wasser wirklich vermissen kann. Die Straende sind leider gesperrt, weil im Wasser giftige Quallen, Haie und Krokodile sind.

      Ab morgen werde ich wieder arbeiten, und zwar dieses Mal als Schiffsjunge auf einem Fischkutter. Da bin ich mal gespannt wie das wird. Ich denke es wird sicherlich eine interessante Erfahrung…

      Liebe Gruesse nach Dresden, geniesst euren Winter oder nun schon fast Fruehling,
      Jonas

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