Unterwegs in der Hauptstadt

Liebe Leserinnen und Leser,

hier ist auch schon der nächste Artikel! Wie ihr ja bereits von gestern wisst, habe ich Sydney am Dienstag verlassen und bin nach Canberra gefahren. Von Sydney aus fahren regelmäßig Reisebusse, die über Canberra und den kleinen Ort Albury weiter nach Melbourne verkehren. Schon die Fahrt nach Melbourne war sehr sehenswert. Es ging fast ausschließlich durch vertrocknete, hügelige Landschaften. Das meiste Gras war ziemlich verdorrt, und hier und da standen einige karge Bäume. Oft sah man recht verwildert wirkende Schafe oder Rinder verstreut über das weite Land, und nur ab und zu konnte man ein einzelnes Bauernhaus entdecken. Hier mal zwei Fotos, die ich aus dem Fenster des Busses heraus gemacht habe:

Der Bus hat einmal gehalten, in einem winzigen Ort mit Tankstelle. Ansonsten war die Landschaft recht leer.

Angekommen in Canberra musste ich mich zuerst um eine Unterkunft kümmern. Ich hatte mich, ermutigt durch das kostenlose Wochenende in den Blue Mountains, noch am Vorabend bei Couchsurfing angemeldet, einer Seite, in der Menschen kostenlos kurzfristige Unterkünfte anbieten. Ich habe erst während der Fahrt etwas gefunden. Ein Pfarrer, der eine kleine Kirche in Canberra betreut, hat mich für zwei Nächte bei sich aufgenommen. Er wohnt in einem kleinen Haus neben der Kirche, und er hat mir sein Gästezimmer mit eigenem Bad zur Verfügung gestellt. Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt, weil ich einen Raum für mich hatte (was mir als Backpacker nur sehr selten gelingt), und zum anderen, weil Pfarrer Paul sehr nett und hilfsbereit war.

Noch am Abend meiner Ankunft hat Paul mich durch die Stadt gefahren und mir gezeigt, wo die einzelnen Sehenswürdigkeiten sind, die ich mir am Mittwoch anschauen wollte. Da Canberra die Hauptstadt Australiens ist, gibt es hier ein neues und ein früheres Parlament, eine Kunstgalerie, eine Portraitgalerie, eine große Bücherei und das berühmte Militärmuseum, “War Memorial” genannt. Wir sind außerdem auf den höchsten Berg hinter Canberra gefahren, von dem man einen sehr schönen Blick über die komplette Stadt hat.

Wie man sieht, ist die Stadt klein, nahezu winzig. Sie erstreckt sich um einen künstlich angelegten See und ist großteils symmetrisch um die „Anzac Parade“ angeordnet. Canberra war ja nur eine winzige Siedlung, bevor dieser Platz als Standort für die zukünftige Hauptstadt ausgewählt wurde. Man konnte die Stadt also von Grund auf sehr beeindruckend gestalten.

Am Abend hatte ich also einen groben Eindruck von der Stadt gewonnen, und wir sind noch an einen kleinen Strand am See gefahren. Hinter uns auf den Wiesen sammelten sich dann immer mehr Kängurus an, die alle erst in den Abendstunden herauskommen. Die Kängurus grasen hier in großen Gruppen und sind nicht besonders scheu. Viele von ihnen sind gekennzeichnet.

Nachdem wir noch Fish and Chips am Ufer des Sees gegessen hatten, sind wir nach Hause gefahren. Paul hat Fernsehen geschaut, und ich bin zusammen mit einem österreichischen Kollegen ins Kino gegangen. Wir schauten „The Revenant“, einen sehr düsteren Western mit Leonardo DiCaprio. Ich fand den Film absolut genial und sehenswert.

Am nächsten Morgen hat mich Paul zum neuen Parlament gefahren und von dort aus habe ich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Canberras zu Fuß besucht.

1. Neues Parlament

Für dieses Parlament wurde extra die Spitze eines Berges abgetragen. Es befindet sich halb im Berg.

Sehr interessant fand ich eine Ausstellung, in der die Geschenke präsentiert wurden, die die Senatoren von Politikern anderer Länder erhalten.

2. Rosengarten des Parlaments

3. Altes Parlament

Das alte Parlament ist wesentlich kleiner als das neue, und musste deshalb ersetzt werden. Es ist heute ein Museum und man kann sich den recht kleinen Parlamentssaal sowie die einzelnen Büros der Senatoren, Parteien und sogar Redenschreiber anschauen.

Übrigens stellte sich später noch heraus, dass „Party“ doch nur das englische Wort für „Partei“ ist.

Direkt vor dem alten Parlament haben einige Aborigines seit acht Jahren ein Zeltdorf errichtet, in dem sie leben und dafür kämpfen, besser integriert zu werden. Bei vielen (europäischstämmigen) Australiern herrscht jedoch die Meinung, dass die Regierung alles tun würde, um die Aborigines zu fördern, dass diese die Angebote jedoch nicht nutzen würden. Es gibt zum Beispiel kostenlose Bildung für alle Personen mit aboriginalen Vorfahren. Doch viele der ehemaligen Ureinwohner fühlen sich entwurzelt, was sich zum Beispiel in einer hohen Zahl Alkoholkranker äußert.

4. National Gallery of Arts

Dieses sehr große Museum präsentiert Kunst unterschiedlicher Arten. Ich habe mir nur eine Stunde Zeit genommen, um die zeitgenössische australische Kunst, die asiatische Kunst, die kubistische Kunst und einiges mehr anzusehen.

5. National Portrait Gallery

Sehr gut gefallen hat mir die Portrait-Galerie, die nur sehr klein war, aber dafür sehr schöne Portraits ausgestellt hat. In circa 30 Minuten konnte man sich das Wichtigste ansehen, und auch wenn ich keine einzige der portraitierten Personen kannte, so haben mir die einzelnen Bilder doch sehr gut gefallen.

6. Die Bücherei von Canberra

Die Bücherei sieht zwar von außen recht wichtig aus, aber ich war trotzdem ziemlich enttäuscht. Von der Auswahl her kann diese Bibliothek mit der Dresdner SLUB bei Weitem nicht mithalten, obwohl es in Canberra zwei sehr große Universitäten gibt. Das WLAN war nicht richtig funktionstüchtig und ein Sandwich in der „Mensa“ hat 9 $ gekostet. Also hier finde ich genügt das Anschauen von außen.

Danach bin ich über eine der Brücken und um den See gelaufen, um zur Anzac Parade zu gelangen. Am Seeufer sieht man den einen oder anderen Kormoran und man hat über den See immer schöne Blicke auf das andere Ufer.

Zum Schluss bin ich dann die besagte Anzac Parade (das ist ungefähr die wichtigste Straße in Canberra – Verteidigungsministerium und Spionagehauptsitz liegen direkt daneben) hinaufgelaufen, um zum Militärmuseum zu gelangen.

7. Australian War Memorial

In diesem Museum gibt es Ausstellungen zu allen Kriegen, in denen Australien involviert war. Das sind natürlich beide Weltkriege, aber auch kleinere Kriege wie der Vietnamkrieg. Viele der Exponate habe ich so ähnlich schon in Dresden gesehen. Natürlich gab es viele Waffen, zerlöcherte Helme, eine Menge Hakenkreuze und Militärfahrzeuge. Besonders interessant waren große Modelle von Schützengräben oder Gefechtsstellungen an bestimmten Orten. Alles war in einem extra Raum nachgebaut – mit kleinen Soldatenfiguren und Militärfahrzeugen zur Veranschaulichung. Außerdem waren sehr viele Flugzeuge ausgestellt und zudem der weltweit letzte vollständig erhaltene Sturmpanzerwagen – der A7V „Mephisto“ der deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg.

Hier ein paar Fotos, im Dunkeln ohne Stativ jedoch leider nur zweitklassig.

Nachdem ich also alles Wichtige in Canberra gesehen hatte, ging ich abends recht ermüdet zurück. Ungelogen, man kann in Canberra alles Sehenswerte innerhalb eines Tages anschauen. Die Stadt ist winzig und wirkt irgendwie kaum bewohnt. Man fühlt sich hier permanent wie in einer Vorstadt.

Zum Abend bin ich mit Paul noch über den Friedhof gelaufen, und auch ein Foto von Hündin Milliw möchte ich euch nicht vorenthalten. Sie ist des Pfarrers größter Stolz und hat sich sichtlich über meine Anwesenheit gefreut.

Paul fotografiert seine Kirche sehr oft, denn sie ist sein ganzer Stolz. Sie ist das älteste Gebäude der Stadt. Hier versammelten sich schon früher die Bauern aus der Umgebung. In diesem historischen Haus werden die Kirchglocken noch per Hand geläutet.

Heute Morgen habe ich mich von Pfarrer Paul verabschiedet, und mich herzlich für die kostenlose Unterkunft bedankt. Dann ging es per Bus weiter nach Albury. Das ist ein winziger, nicht übermäßig sehenswerter Ort zwischen Canberra und Melbourne. Dass hier nichts los ist, habe ich gemerkt, sobald ich (als Einziger) aus dem Bus gestiegen bin. Aber trotzdem hatte ich einen sehr schönen Tag hier. Ich habe einen kleinen Spaziergang gemacht und mich ansonsten von den Strapazen des gestrigen Tages erholt. Immerhin sitzen mir noch eine Menge Sehenswürdigkeiten in den Knochen. Das komplette Hostel teile ich mir übrigens nur mit einem 45-jährigen Geschäftsreisenden.

Morgen früh geht es weiter nach Melbourne.

Und jetzt habe ich auch schon wieder drei Stunden in diesen Blogartikel gesteckt. Das Schreiben geht ja recht schnell, aber das Hochladen der Bilder dauert hier immer sehr lange. Ich hoffe, dass die Bilder wenigstens okay sind, ich selbst kann das auf dem kleinen Smartphonebildschirm immer recht schwer einschätzen.

Auch das Newsletter-Plugin ist zurzeit außer Gefecht gesetzt. Es scheint nicht handykompatibel zu sein. Ich habe heute ungefähr drei Stunden während der Busfahrt erfolglos getüftelt, um einen vernünftigen Newsletter versenden zu können. Aber morgen habe ich ja wieder eine 4-stündige Busfahrt vor mir. Also liebe Abonnenten, habt bitte noch ein bisschen Geduld.

Liebe Grüße und bis bald
Jonas

Das könnte Dich auch interessieren …

1 Antwort

  1. Erwin sagt:

    Hi Jonas!

    Mensch Meier, da hast du ja wieder alles mitgenommen, was es in dem kleinen Ort zu sehen gibt.
    Gut, wenn man Locals trifft, die einen die Highlights zeigen können. Und gut, das du so viele Fotos machst. Wahrscheinlich weißt du sonst gar nicht mehr, was du alles gesehen hast.
    Die Kirche und der Friedhof sehen richtig deutsch aus. Schön, das man auch ins Parlament darf. Ich wusste nicht, das es so in den Berg gebaut wurde. Da merke ich nun, was ich alles verpasst habe, als ich dort war.
    Bin aber auch nur auf Durchreise da gewesen.
    Den Film (The Revenant) habe ich am Wochenende mit Felix in der Schauburg gesehen. Ich fand es auch sehr brutal und teilweise zu dick aufgetragen. (die Szenen mit dem Wasserfall oder den Sturz mit dem Gaul in die Fichte und dem anschließenden Pferdesandwich) Aber spannend war´s bis zum Schluss. Und tolle Bilder ohne Ende.
    Claudia hat eben ihre letzte Prüfung geschafft. Jetzt ist sie ne richtige Lehrerin. Ab Februar arbeitet sie an der Christlichen Schule in Kleinzschachwitz. Dort ist auch die Lilli. Allerdings befindet sich die Grundschule an anderer Stelle. (ca. 2 km entfernt)

    Also dann, machs gut und schöne Grüße von uns allen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert